Wohin die sture Verfolgung seines Rechts führen kann, hat schon Kleist seinen Michael Kohlhaas erleiden lassen. Gerädert – wenn auch im nervlichen Sinne – kommt sich auch der Mann im schönsten Alter vor, als er schließlich seinen Prozeß gewonnen hat:

Rudolf Schneider-Schelde: "Ein Mann im schönsten Alter." 260 S., Wolfgang Krüger Verlag, 10,80 DM.

Ein Journalist in einem wohlhabenden Verlag prozessiert gegen seinen Chefredakteur auf Erfüllung seines Schuldscheines. Er gewinnt zwar den Prozeß, aler er verliert seine Frau, seine Freundin, seinen Job, seine Kollegen und damit das Glück feiner schönsten Lebensjahre. In resigniertem Tone ohne jedes Pathos, dem eigentlich die Überzeugungskraft dieser Geschichte zuzuschreiben ist, läßt Schneider-Schelde seinen bedauernswerten Helden in Ich-Form seine Situation schildern. Der geglückte Stil täuscht den Leser lange darüber hinweg, daß alle Figuren ein wenig schablonisiert sind. Aber wenn das vertrackte Leben des Helden mit materieller Unabhängigkeit, einem schönen Häuschen und neuer reizender Freundin endet, dann spürt der Leser wieder diese Schablone. c. h.

Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt der bekannten PAX-Buchhandlung, Reinbek bei Hamburg, bei.