DIE ZEIT

Haust du meinen...

Es muß etwas geschehen, damit etwas geschieht", so pflegten die Preußen den gelegentlich ausbrechenden Tatendurst der Österreicher zu persiflieren.

Zweimal Seebohm

Bundesverkehrsminister Seebohm hat wieder einmal von sich reden gemacht: Er lehnte das Angebot des Güterfernverkehrsverbandes ab, Kohle zum (billigeren) Bundesbahntarif zu befördern.

Umsturz ohne Gewalt

Geben wir’s ruhig zu: Der Westen steht ziemlich ratlos vor der auf dem XX. Parteikongreß verkündeten "neuen Linie" des Kreml.

Jaegers und Erlers Erfolg

Daß die wehrpolitischen Grundgesetzänderungen die Billigung des gesamten Bundestages erhalten werden, ist vor allem zwei Männern zu danken: den Bundestagsabgeordneten Jaeger (CSU) und Erler (SPD).

Mißbrauchte Freiheit

Zu schnell und zu früh erworbene Freiheit kann für die "Befreiten" schlimme Folgen haben. Ein makabres Beispiel dafür geben die Vorgänge von Kosti, das 350 Kilometer südlich von Khartum in der sudanesischen Provinz Blauer Nil gelegen, zum Schauplatz des Todes von mehr als 300 Menschen wurde.

ZEITSPIEGEL

In einer einzigen Nacht haben die Republikaner in "Salut-für-Eisenhower-Dinners" im ganzen Lande – mit einem Preis von 100 Dollar pro Gedeck – ihren Wahlfonds um rund fünf Millionen Dollar bereichert.

Ein Frageabend in Ost-Berlin

Auf jede Frage eine Antwort" stand als Motto über einem "Jugendforum", das die Redaktion der FDJ-Zeitung "Junge Welt", der Jugendfunk des Ostberliner Rundfunks und die FDJ-Bezirksleitung Großberlin veranstaltete.

Italiens Schicksal: Pietro Nenni

Der Präsident der italienischen Republik, Gronchi, ist in Amerika eingetroffen, um dort – "von Präsident zu Präsident" – über die Zulassung Rotchinas zu den Vereinten Nationen zu reden.

Wenn es im Commonwealth brennt

Ein Spezialverband des britischen Heeres soll bereitgestellt werden, um auf Abruf in jedem Teil des Commonwealth, wo die Lage es erfordert, eingesetzt werden zu können.

Der Leidensweg des Kardinals

Die ungarische Regierung hat jetzt den Budapester Theologen Dr. Baranyai, der am 8. Februar 1945 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, amnestiert.

Euler verpaßt seine Chance

Zehn Jahre lang hat der Rechtsanwalt aus Bad Hersfeld die hessische FDP geführt. Er hat ihr Gesicht geprägt, er hat mit starker Hand für Ordnung und Parteidisziplin gesorgt – für eine fiel ausgeprägtere Disziplin und Geschlossenheit, als sie irgendein anderer Verband dieser von allen Tugenden und Schwächen des Individualismus gezeichneten Partei jemals erreichen konnte.

Probealarm in Thailand

Im Hafen Bangkoks lagen englische Kriegsschiffe, und vor der Mündung des Menam war ein amerikanischer Flugzeugträger mit Kampfflugzeugen und Truppen postiert.

Rot gegen Schwarz

Es ist immer eigenartig zu beobachten, wie die Wählermassen in die eine, die Parteimanager in die andere Richtung drängen. Was im Augenblick in der österreichischen Innenpolitik vor sich geht, darf als Schulbeispiel für dieses Phänomen angesehen werden: Bei allen Wahlen der letzten Zeit hat das Elektorat ganz eindeutig für die Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und Konservativen demonstriert.

Lobbyisten-Dämmerung in USA

Der Senat der Vereinigten Staaten war vor kurzem Schauplatz des größten Lobbyisten-Kampfes seiner Geschichte. Es ging um eine Gesetzesvorlage, durch die der Preis für Erdgas von bundesstaatlicher Kontrolle befreit werden sollte.

Wessen Cranach?

Das Landgericht München I weiß es nicht. Es mußte am Donnerstag die Verhandlung über die Klage der Stadt Köln gegen das Land Bayern in der Angelegenheit des Cranachschen Gemäldes "Madonna mit Kind" aussetzen.

In memoriam Iwan Goll

Die wechselnde Schreibung seines Vornamens bezeichnet die drei Sprachwelten, denen er angehörte. Iwan schrieb sich Goll in Metz, wo er das Gymnasium besuchte, und in Straßburg, wo er den Doktor machte, wo er deutsch sprach und deutsch dichtete.

Ein Zirkus, der sich lohnt

Bernard Buffet ist achtundzwanzig Jahre alt, war 1947 noch arm und unbekannt und ist heute, neben Picasso, einer der bestbegabtesten Maler der Welt – seine Ausstellung "Der Zirkus" in der Galerie Drouant-David, Faubourg Saint-Honore, und bei Visconti‚ Rue de Seine, ist ein gesellschaftliches Ereignis.

OSKAR KOKOSCHKA:: Geschichte von unserer Tochter Virginia

Oskar Kokoschka, der große expressionistische Maler, feiert am 1. März seinen siebzigsten Geburtstag. Er stammt aus einer alten österreichischen Künstlerfamilie und trat 1908 mit Fresken und farbigen Skulpturen in einer Wiener Kunstausstellung erstmalig an die Öffentlichkeit.

Im Museum von Cagliari

Mit Winckelmann, der 1763 in seiner "Kunstgeschichte" einige seltsame Bronzeskulpturen aus Sardinien erwähnt, die er in einem römischen Museum gesehen habe, begann die neuere Geschichte jener merkwürdigen, an Zahl geringen, aber an Ausdruckskraft und archaischer Schönheit bedeutenden Bronzetten, die heute im Museum zu Cagliari ausgestellt sind und durch ihre seltene, meist kriegerische Ausdrucksform faszinieren.

Gegen Jazz

Heute ist mit einem lachenden und einem weinenden Auge von einem Schwabenstreich zu berichten. Vor einigen Tagen sprach sich der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Tübingen in schöner Einmütigkeit gegen einige "Jazz-Clubs" aus, die – lästigem Unkraut gleich der Tübinger Studentenschaft entsprossen – nicht nur den übrigen Kommilitonen, sondern auch der Bürgerschaft ein Dorn im Auge seien.

Notizen

Keine chinesische Schrift mehr. Der chinesische Staatsrat in Peking hat Versuche eingeleitet, die vielen tausend Schriftzeichen durch Einführung des lateinischen Alphabets zu ersetzen, um jedem Chinesen das Lesen und Schreiben zu ermöglichen.

Max Tau :: Die Friedensbücherei

Der Verfasser dieses Aufsatzes, Professor Max Tau, war bis 1933 in der deutschen Literatur eine festumrissene Figur. Die Talente, die er entdeckte, die Anregungen, die er aussprach, die Pläne, die er – meist für andere – verwirklichte, sind in einer kurzen Notiz nicht aufzuzählen.

Katzen und Menschen

Wenn Bruce Marshall, der zweimal konvertierte Schotte – einmal zur katholischen Kirche, das zweite Mal zum Humor – autobiographische Notizen schreibt, so ist von vornherein anzunehmen, daß er dabei die Aufmerksamkeit des Lesers weniger auf sich, als auf andere Lebewesen lenken wird.

Im schönsten Alter

Wohin die sture Verfolgung seines Rechts führen kann, hat schon Kleist seinen Michael Kohlhaas erleiden lassen..............

Ins einfache Leben

Immer wieder gibt es Männer, die über den Sinn ihres Lebens nachdenken. Nicht die Lust an Abenteuer macht sie froh, sondern die Zuversicht, daß hinter allen Abenteuern eine längst bekannte Heimat im schöneren Gewande wohnt.

Er sah die Revolution voraus

Rivarol, der Mann mit diesem schönen Namen, lebte 1753–1801; seine Ahnen waren Italiener, er kam in Bagnols als Südfranzose zur Welt, machte in Paris eine glanzvolle gesellschaftliche Laufbahn und starb als Emigrant in Berlin.

Bayern: Ehrlich darbt am längsten

Weil Angebot und Nachfrage auch im Autogeschäft die Preise regeln, ist seit geraumer Zeit der Verkauf deutscher Automobile nach Österreich für den Händler ein Geschäft mit großer Verdienstspanne.

Riskantes Symbol

Schlug doch der Bürgermeister von Schleswig, Dr. Kugler, seinem Magistrat vor, ein Storchennest auf dem Dache des städtischen Entbindungsheimes einzurichten.

Hamburg: Ist Hamburg negerfeindlich?

Rassenhaß" war während der letzten Tage Stadtgespräch in Hamburg. Anlaß zu erregten Diskussionen und empörten Telephongesprächen hatten drei Zeitungsmeldungen gegeben.

Schleswig-Holstein: Der Preis der Kunst

Alljährlich veranstaltet die Stadt Kiel einen Plakatwettbewerb zur Kieler Woche. Jedesmal ist die Bevölkerung empört über die von der Jury prämiierten Entwürfe .

Niedersachsen: Christus am Meer

Die Bildhauerin Yrsa von Leistner hat große Pläne. Sie möchte eine fünfzig Meter hohe Christus-Figur an der deutschen Nordseeküste oder auf einer der ostfriesischen Inseln errichten, Gegenwärtig stellt die Künstlerin ihre Werke im Poppelsdorfer Schloß in Bonn aus.

Mecklenburg: Verkäuferinnenpflicht

In Demmin geht es jetzt um die Berufswahl der Kinder, die zu Ostern aus der Schule kommen. Als Arbeitgeber und Lehrherren stehen nur die HO (Handels-Organisation) und die Produktions-Genossenschaften zur Wahl.

Hessen: Ist das wirklich lustig?

Dem 38jährigen Stadtassistenten Heinrich B. aus Offenbach am Main setzte das Hanauer Schöffengericht eine vierwöchige Gefängnisstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein unter der Bedingung aus, daß er in den nächsten fünf Jahren nur noch in Begleitung seiner Ehefrau zum Trinken geht.

Neu und sehenswert

Ein Mädchen aus Flandern (Deutschland). Mit einem hohen Maß an Gerechtigkeit brachte Helmut Kästner Zuckmayers deutsch-belgische Liebesgeschichte vom "Engele von Loewen" auf die Leinwand, Doch benutzte er zu bekannte Metaphern.

Ohne Blatt

Das viel zitierte Blatt, das man sich vor den Mund nimmt, wird beim Rundfunk ersetz durch ein weniger metaphorisches Blatt: das Man skriptblatt vor Augen.

Auf einen Blick ...

Die konjunkturellen Auftriebskräfte in der Wirtschaft sind unverändert lebhaft geblieben, stellt der jüngste Lagebericht des Bundeswirtschaftsministeriums fest.

Die Sparfreudigkeit hat nachgelassen

Der Dezember hat als Sparmonat enttäuscht. Während im letzten Quartal 1954 noch 1,12 Mrd. DM Sparkonten eingezahlt wurden, war es diesmal nur eine halbe Milliarde DM.

Gretchenfrage zum Atomrisiko

Seitdem die friedliche Nutzung der Atomenergie immer mehr in die praktischen Planungen einbezogen wird, sieht sich die Versicherungswirtschaft vor die nicht leicht zu lösende Gretchenfrage gestellt, wie sie es mit dem Atomrisiko halten will.

Habenzinsen wieder im Gespräch

Die Geschäftsbanken sind gegenüber ihrer Nichtbankenkundschaft an das noch aus den dreißiger Jahren stammende Zinsabkommen gebunden.

Schäffers Kuchen reicht nicht für alle

Die größte Regierungspartei hat lange genug Hoffnungen auf erhebliche breitgestreute finanzielle Hilfen durch den Bund, bei gleichzeitiger kräftiger Steuersenkung, genährt.

Vom Tun und Lassen im Betrieb

Als zweiter Band in der Reihe von "Leskes Betriebsfibeln" ist, von L. Diener verfaßt, eine "Fibel für den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern im Betrieb" erschienen, aus der wir nachstehend einen kleineren Abschnitt "zur Probe" veröffentlichen.

Preise gestiegen

Die Preise fast aller Haushalts- und Eisenwaren sind seit Jahresanfang durchschnittlich um fünf v. H. gestiegen. Dies haben ohne ernsthaften Widerspruch Vertreter des Fachhandels festgestellt.

Exportbank Nr. 2?

Der Bundesverband der deutschen Industrie ist völlig im Recht, wenn er darauf hinweist, daß es nicht Aufgabe der Industrie sein kann, langfristige Exportfinanzierungen durchzuführen.

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