Die industrielle Produktion der Bundesrepublik war 1955 insgesamt um 15,8 v. H. höher als ein Jahr zuvor. Im vierten Quartal des Jahres 1955 betrug die Zuwachsrate nur noch 14 v. H. Die industrielle Expansion hat sich im Laufe des Jahres verlangsamt, ist jedoch noch immer sehr hoch. An der Spitze standen während des gesamten Jahres die Investitionsgüterindustrien mit einem Zuwachs von 24,2 v. H. An zweiter Stelle folgen die Grundstoff- und Produktionsgüter, deren Produktionszuwachs im Vorjahr 15,9 v. H. betrug. Die Verbrauchsgüterindustrien, die Energieerzeugung und die Bauindustrie haben ihre Jahresproduktion 1955 gegenber dem Vorjahr um jeweils 11 bis 12 v. H. erhöht. Dei Bergbau konnte seine Erzeugung um 5,9 v. H. steigern.

Die Zahl der in der Industrie Beschäftigten nahm im Laufe von 1955 besonders stark zu. Für das gesamte Jahr ergibt sich gegenüber 1954 eine Steigerung um 8,4 v. H. Die Zahl der Arbeiterstunden je Arbeiter ist praktisch kaum mehr gewachsen. Die Produktionsleistung war 1955 – je Beschäftigten berechnet – um 6,8 v. H. höher als ein Jahr zuvor, je Arbeiterstunde berechnet um 6,7 v. H. Die Rationalisierung der industriellen Produktion hat demnach wiederum sehr beachtliche Fortschritte gemacht. In Westberlin wurde 1955 eine Produktionssteigerung um nicht weniger als 24 v. H gegenüber dem Vorjahr erreicht. Das gegenüber der Bundesrepublik wesentlich stärkere Expansionstempo der Westberliner Industrie hat demnach das ganze Jahr angehalten.

Der Stand der Arbeitslosigkeit war mit rd. 1 Million Ende des Jahres erheblich günstiger als ein Jahr zuvor (1,3 Millionen). Allerdings hat sich die Zahl der Arbeitslosen Anfang Februar infolge der besonders starken Kälte auf etwa 2 Millionen erhöht. – Der Umsatz des Einzelhandels lag im Dezember um 10 v. H. über dem Vorjahrsstand, das Weinachtsgeschäft war also im Durchschnitt sehr gut. – Die kurzfristige Kreditnahme der Wirtschaft ist erheblich gestiegen; dies war jedoch bei der Fondsbildung der öffentlichen Hand kaum anders zu erwarten. – Die Außenhandelsumsätze sind weiter beträchtlich gestiegen. Der Ausfuhrüberschuß, der im Oktober 1955 auf 33 Mill. $ zurückgegangen war, hat sich im Dezember auf 62 Mill. $ erhöht. Die Gold- und Devisenbestände haben in diesem Monat um 78 Mill. $ zugenommen und lagen damit Ende 1955 um 438 Mill. $ (1,8 Mrd. DM) höher als ein Jahr zuvor.

In den USA lag die industrielle Produktion um reichlich 10 v. H. über dem Vorjahresstand. Frankreich hatte einen ähnlichen Zuwachs, dagegen betrug die Zunahme in Großbritannien im vierten Quartal 1955 nur noch 4 v. H. gegenüber dem entsprechenden Vorjahrszeitraum.