Dd., Offenbach a. M.

Dem 38jährigen Stadtassistenten Heinrich B. aus Offenbach am Main setzte das Hanauer Schöffengericht eine vierwöchige Gefängnisstrafe wegen Fahrens ohne Führerschein unter der Bedingung aus, daß er in den nächsten fünf Jahren nur noch in Begleitung seiner Ehefrau zum Trinken geht. Die Fahrerlaubnis wurde auf fünf Jahre entzogen. B. muß außerdem 300 Mark Buße an das Rote Kreuz, den Tierschutzverein und die Gefangenenfürsorge zahlen.

Der Beamte hatte am 2. Dezember 1954 bei Fechenheim auf der Bundesstraße 40 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem es drei Verletzte gab. Er hatte am vorangegangenen Abend mit einem Schulfreund in Dörnigheim ausgiebig gezecht, hatte in seinem Wagen geschlafen und war dann in Richtung Offenbach zurückgefahren. Nach dem Unfall hatte ihm die Wirtin einer Raststätte "zur Verhinderung einer Ohnmacht" ein Glas Kognak eingeflößt. Daher sah das Schöffengericht trotz dem Blutprobenergebnis von 1,63 Promille den Tatbestand der Trunkenheit am Steuer nicht als erwiesen an. Heinrich B. hatte sich jedoch schuldig gemacht, indem er bis zu jenem Unfall einen Führerschein bei sich trug, den er gar nicht hätte besitzen dürfen. Im Jahre 1953 war er nämlich einer Polizeistreife aufgefallen, als er mit seinem Motorrad durch Frankfurt brauste und zwei unterwegs aufgelesene Damen auf dem Soziussitz beförderte, von denen eine die Beine um seinen Oberkörper geschlungen hatte. Der Führerschein, den ihm die Polizei damals abnahm, war ein Duplikat, das Heinrich B. sich "für alle Fälle" hatte ausstellen lassen; er war damals Polizeiassistent in Offenbach,

Das Hanauer Schöffengericht hielt ihm jetzt vor, er sei "ein recht lustiger Beamter" und bedürfe der leitenden Hand seiner besseren Hälfte ...