g. sp., Hamburg

Rassenhaß" war während der letzten Tage Stadtgespräch in Hamburg. Anlaß zu erregten Diskussionen und empörten Telephongesprächen hatten drei Zeitungsmeldungen gegeben. Am Donnerstag schrieb ein Hamburger Morgenblatt unter der Überschrift "Neger sind unerwünscht", zwei große Hamburger Hotels hätten die Aufnahme farbiger Künstler mit Rücksicht auf weiße amerikanische Gäste abgelehnt.

Es handelt sich dabei um einige schwarze Jazzmusiker, unter ihnen Koryphäen wie Ella Fitzgerald, Illinois Jaquet, Oscar Petersen und Dizzy Gillespie, die unter Leitung des bekannten Managers Norman Cranz ein Konzert mit dem Titel "Jazz at the Philharmonie in der Festhalle von "Planten un Blomen" geben wollten.

Am nächsten Tag erwähnte dasselbe Blatt noch einmal die Neger, denen "gewisse Hamburger Hotels die Aufnahme verweigern wollten", und am selben Morgen brachte auch eine große Hamburger Zeitung von internationalem Rang eine Meldung, in der von einem Hamburger Hotel die Rede war, das erst auf nachdrückliche Vorstellungen den Farbigen Zimmer reserviert habe.

Das Thema war ohnehin leider einmal wieder aktuell. Noch waren ja in der Weltpresse die Diskussionen nicht abgeklungen um die dunkelhäutige Studentin Lucy, der von weißen Studenten der Universität Alabama auf unmißverständliche und sehr unerfreuliche Art zu verstehen gegeben worden war, daß sie unerwünscht sei – was den englischen "Observer" zu dem mutigen Kommentar veranlaßte, ein Mädchen aus Rhodesien oder Kenya hätte in einem ähnlichen Fall noch nicht einmal Recht und öffentliche Meinung auf seiner Seite wie Miß Lucy. Und aus Mannheim erfuhr man, daß ein Ober farbige Studenten mit den Worten "Unser Lokal ist kein Hottentottenkral, sondern das Lokal der ehemaligen deutschen Frontsoldaten" aus einer Gaststätte verwies.

Doch eines unterscheidet diese beiden Begebenheiten von dem Hamburger Ereignis: sie sind wirklich passiert (jedenfalls wurden die Berichte unseres Wissens nicht dementiert), während die Meldung aus Hamburg eine reine Erfindung war.

Wie ist es zu den entrüsteten Artikeln in den Hamburger Blättern gekommen? Hans Piasberg – den norddeutschen Rundfunkhörern als Hans Gertberg bekannt – gab in seiner Eigenschaft als 3. Vorsitzender der "Deutschen Jazz – Föderation" in der vergangenen Woche eine Pressekonferenz aus Anlaß des Norman-Granz-Konzertes. Völlig unmotiviert fiel bei dieser Gelegenheit die Frage: "Ist Hamburg eigentlich negerfeindlich?" Worauf Piasberg als Granz’ Quartiermeister antwortete, tatsächlich hätten zwei Hamburger Hotels Schwierigkeiten bei der Unterbringung der farbigen Künstler gemacht. Als er in den "Vier Jahreszeiten" telephonisch nach Zimmern für eine Negergruppe fragte, habe man ihm erwidert, man könne ihm im Augenblick darauf keinen Bescheid geben.