Zu schnell und zu früh erworbene Freiheit kann für die "Befreiten" schlimme Folgen haben. Ein makabres Beispiel dafür geben die Vorgänge von Kosti, das 350 Kilometer südlich von Khartum in der sudanesischen Provinz Blauer Nil gelegen, zum Schauplatz des Todes von mehr als 300 Menschen wurde.

Die Tragödie begann, als Hunderte von Kleinbauern und Pächtern durch Kosti marschierten, um höhere Preise für die von ihnen produzierte Baumwolle zu erzwingen. Der größte Teil der Demonstranten gehörte zu einer Interessengemeinschaft, zu der Kleinbauern und Pächter sich vor kurzem zusammengeschlossen haben, um sich gegen die großen Baumwollpflanzer und Genossenschaften behaupten zu können. Als die Regierung es ablehnte, mit dieser Interessengemeinschaft über eine Erhöhung der Rohbaumwollpreise zu verhandeln, weigerten sich die kleinen Pflanzer, ihre Ernten abzuliefern und zogen auf die Straße. Die Polizei des am 1. Januar 1956 unabhängig gewordenen Staates ging rücksichtslos gegen die Demonstranten vor. Es heißt, 150 Personen seien dabei erschossen und über 600 verhaftet worden. Kurz darauf wurden weitere 285 Arbeiter und Kleinbauern festgenommen und in einem winzigen Raum bei glühender Hitze eingesperrt. Am anderen Morgen, als die Polizei die Häftlinge zum Verhör holen wollte, fand sie ein Massengrab vor. 194 Häftlinge waren an Sauerstoffmangel und Hitze gestorben.

Nichts kann sie zum Leben erwecken: nicht die Sondersitzung der Regierung, nicht das halbe Dutzend Kommissionen, das Tatumstände und Schuldfrage klären soll, nicht die Absetzung einiger Polizeibeamter, nicht die – bereits abgelehnte – Forderung nach dem Rücktritt des sudanesischen Ministerpräsidenten Ismail El Azhali und auch nicht die immer noch andauernden Protestdemonstrationen der Arbeiter, Studenten und Rechtsanwälte von Khartum.

Die Bevölkerung des südlichen Sudan hatte von einer Selbständigkeit des Landes unter Führung des mohammedanischen Nordens nichts Gutes erwartet – und offenbar hat sie leider recht behalten. P.