Die "neue" Note der Balenciage-Kollektion ist durch die Breite der Schulterpartie und den schneidertechnischen "Falteneffekt", der sie bewirkt, gegeben. Aber nur in Schulterhöhe ist die Falte das Medium zur Erlangung einer gewissen Fülle: im übrigen verfolgt Balenciaga die schlanke, gestaltandeutende Linie, für die sein Haus bekannt ist.

Zu kragenlosen Jacken schlägt Balenciaga bunt bedruckte, viereckige Seidenschals als kleidsame Drapierung vor, aber die Mehrzahl der Mäntel und Deux-Pièces haben breite, fast die ganze Schulter bedeckende Kragen. Ein Überraschungsmoment bieten kuriose Knopfgruppen in Traubenform, die als interessantes Detail neben Schleifen und Flatterteilen die spanische Strenge der Entwürfe beleben. Spanischen Einfluß verraten auch die langen Capes, die fast bis zum Rocksaum reichen.

Balenciaga ist der einzige Pariser Couturier, der Kasak- und Tunika-Effekte noch nicht aufgegeben hat. Aber auch er konnte sich dem alles beherrschenden, hochtailligen Modeideal der Directoire-Periode nicht entziehen. K. E. R.