Der frühverstorbene Kurdirektor und Dipl.-Volkswirt E. G. Tetzlaff, den sein Weg von Bad Salzbrunn in Schlesien über das Meeresheilbad Norderney ins Bad Salzuflen führte, hat als einer der ersten Kurdirektoren seine Gedanken über den neuen Stil der Badereise nach dem Kriege geäußert und sich für die psychologische Betreuung des Kurgastes ausgesprochen. Er war der über das Wirtschaftliche seiner Arbeit hinaus verantwortungsbewußte Kurdirektor und seine Anregungen und Erkenntnisse, die er 1952 und 1953 aussprach, wurden nicht nur in Salzuflen, sondern in vielen anderen Bädern und Kurorten aufgegriffen und inzwischen weiterentwickelt.

"Wir wünschten unseren Kranken an Stelle der internationalen Küche in den Hotels eine einwandfreie Diät und nach landsmannschaftlichen Gesichtpunkten geordnete Spezialitäten. Wir wünschten, daß die Badeärzte es ermöglichen könnten, die Fühlungnahme mit ihren Patienten auch außerhalb der Sprechstunden, beim Kurkonzert und am Trinkbrunnen zu suchen, und daß es ihnen auch mehr als bisher gelänge, seelische Not durch Zuspruch zu lindern, Verkrampfung zu lockern."

"Die Mittel und Wege der Kurverwaltung zur seelischen Betreuung sind mannigfacher Art. Ein Heilbad von heute ist eine merkwürdige Mischung aus überkommenen Traditionen, die oft weitgehend ihren Sinn verloren haben, und tastenden Versuchen, völlig neuen Anforderungen zu entsprechen."

"Nichts wichtiger, als daß der Kurgast Wünsche hat! Denn allein, daß er sich dazu aufschwingt, beweist uns, daß er im Begriff ist, einen Schritt aus der verhängnisvollen Passivität, aus diesem gefährlichen "laisser faire, laisser passer" herauszutun, das seiner Heilung hemmend im Wege steht."

"Wenn wir auf die Dauer die durch den Lärm und Verkehr täglich anwachsende Gefahr nicht beseitigen, so kann sie unseren Heilbädern verhängnisvoll werden. Wie leicht können die Ärzte, die uns heute ihre Patienten anvertrauen, ihrer hohen Berufspflicht entsprechend dazu übergehen, Sanatorien statt Kurorte zu empfehlen? Wir brauchen Sperrstraßen im Kurviertel, Eindämmung aller vermeidbaren Geräusche, Gaststätten ohne Musik, in denen die Kellner ebenso leise arbeiten, wie ihre gut geölten Registrierkassen."