Das viel zitierte Blatt, das man sich vor den Mund nimmt, wird beim Rundfunk ersetz durch ein weniger metaphorisches Blatt: das Man skriptblatt vor Augen. Wer kein (vorher von al m Zuständigen Stellen geprüftes) Manuskript abzulesen hat fast alle Stegreif reden im deutschen Rundfunk werden vorher sorgfältig zu i apier gebracht, auch wo die Sprecher durch JunstvoUes Stottern freie Rede vorzutäuschen sich bemühen wer also kein Blatt vor Augen hat, mmmt sich oft auch kein Blatt vor den Mund.

Deswegen sind solche Sendungen der Schreien aller Intendanten und verantwortlichen AbtelungsleS. Sie haben ja so viele Rücksichten ai nehmen auf Parteien, auf Interessengruppe, auf Sorgfältig paritätisch durchkonstruierte RuncfunS ? daß rücksichtslose Offenheit ohne Satt vo r dem Mund Komplikationen nach sia zieht von denen sich der naive Hörender glaubt, J als zahlender Konsument sei derjenige, auf den es bei einem Rundfunkprogramm schließ ich ankomme gar keine Vorstellungen machen kann Journalisten entgegengesetzter,~~~—". diskutieren da öffentlich die aktuellen Tages fragende ihnen Während der Sendung von emen Publikum gestellt werden, das durci n Applaus oder dumpfes Schweige i deutlich zu verstehen gibt, ob es mit den Antworten zufrieden war. Und nicht nur gehört diese Sendung seit vielen Jahren schon zu den beliebtesten Programmen der BBC, sondern sie ist eine w Itige Quelle für jenes echte demokratische Lebeh das der Ausländer in England bewundert. Einem deutschen Intendanten wurde vor einen lahr der Vorschlag unterbreitet, ein ähnlich freie Forum für die öffentliche Meinung m der Bundesi k zu schaffen "Ja, in England ist so etwas Sprecher noch recht lange als ""_rnöchten, muß sein Name ungenannt bleiben. Um so mehr bewundern wir die Zivilcourage, die ein Programm wie den " Internationalen Frühschoben" immerhin möglich macht. Sehr geschickt wurden dabei zwei Sicherheitsventile eingebaut: das eine der "Frühschoppen", wo man nach guter alter deutscher Tradition schon mal das Blatt vorm Munde ein bißchen lüften darf; das andere dis internationale Zusammensetzung des Stamrntiscües denn bei Ausländern sind wir a schon eher daran gewöhnt, daß sie eigene Meinungen haben. Die zwei wichtigsten Voraussetzungen für ein freies Diskussionsprogramm dieser Art sind ein ouveräner Diskussionsleiter und kompetente DisSonsteilnehmer. Die erste Voraussetzung erfüllt Werner Hof r- und daran konnte man nocä einige Adverbien im Superlativ anschließen. Seine Schuld ist es nicht, wenn die Sendung das m ange sächsischen Ländern übliche Niveau nichterreicht, wenn er selber sich viel zu oft einschalten mulS, wefi wie am Sonntag vor allem eine griechische Journalistin von den fünf Diskussionsteilnehmern einige in allzu bescheidenes Schweigen verfX; wlnn These und Antithese nicht scharf genug aufeinanderprallen; wenn m vorsichtigen Umschreibungen ( wie in der letzten Sendung:" Ich könnte mir denken, daß einmal eine Lage eintreten könnte, wo das Schicksal für einen Mann wie Karl Arnold wieder Pflichten bereit halt"), wenn auf diese Weise also das Blatt unversehens wieder vor den Mund rutscht , Daß ein solches Programm mit all seinen unbestreitbaren Mängeln heute von fünf Sendern übernommen und in Tausenden von Familien jeden Sonntag gehört, in manchen sogar im Fernsehen gesehen wird, ist doch wohl ein Zejchen dafür daß die Freiheit der Diskussion auch in Deutschland mehr Freunde und Fürsprecher hat, als man in den hohen Verwaltungsgremien der Rundfunksender glaubt. Daher: etwas mehr Zivilcourage! menr freie und öffentliche Diskussionen, ohne Blatt! ein Bravo für Werner Höfer und den Westdeutschen Rundfunk.

Donnerstag, 1. März, 23 Uhr aus Frankfurt: Der in der Schweiz lebende Exilrusse Wladimir Vogel, einst Schüler Busonis und von diesem bw heute produktiv angere t, begeht seinen 60. Geburtstag. Ihm zu Ehren fendft der Hessische Rundfunk seine Spiegelungen für Orchester, seine Soprankantate "Aus dem Schulheft der siebenjährigen Francine" und sein "npiFreitag, 2. März, 21 Uhr vom Westdeutschen Rundfunk: Zum achtzigsten Geburtstag Papst Kus XII hat Otto B. Rodele eine Hörfolge geschrieben, m der er zeigt, chen, 20 30 Uhr 8 vom Südwestfunk, 20 45 Uhr vom RIAS, 21 30 Uhr aus Frankfurt ) S"e Crf7° tTyn 1phon 2fe CO IOO aus, Bremen: la derndereihe Großmeister aus früher Zeit gesu Essays voa Hermann Broicti.

Sonnabend, 3. März, 24 Uhr vom NDR, 2. Progr . Die Sendereihe "Geistliche Musik" ist dem Lübecker Organisten Buxtehude gewidmet. Von ihm sind zwei Solokantaten mit Violinen und Generalbaß sowie (gesungen von der Kantorei der Gorhtzer KirAenmusikschule) die "Misa brevis für A Capella Chor zu hören , 16 00 vom SWF: Der Funkreporter Wolfgang Brobell berichtet mit Renata Tebaldi in der Titelrolle.

Sonntag, 4. März, 11 30 Uhr aus Frankfurt und vom RIAS: Die Bonner und die Berliner Eröffnungsfeier der "Woche der Brüderlichkeit mit der Ansprache von Bundespräsident Professor Heuss (die Radio Bremen um 19 Uhr 45 sendet).

18 00 vom SWF: Alte splelt Flöte, Oboe, Bratsche und Cello.

Montag, 5. März, 20 Uhr aus Frankfurt: Das neue Hörspiel von Walter Jens, "Ahasver", hat das Schicksal eines deutschen Chirurgen zurrt Thema, der als lüde 1936 emigrieren muß, als Deutscheren Frankreich und dann in der Schweiz interniert wird, spater nach dem Krieg sich weigert, nach Israel überzusiedeln, aber sich in Deutschland nicht wieder zuredit findet (RIAS sendet "Ahasver" am Mittwoch um 19 45 Unr J 22 10 Uhr aus Hamburg: Die 31 und letzte Folge der Sendereihe "Die Lieblingsmusik des Herrn X mit Josef Müller Marein. Marschmusik, gewünscht von einem. Schriftsteller aus dem Bergischen Land.