"Falls die Kommunisten angreifen"

Bangkok, im Februar

Im Hafen Bangkoks lagen englische Kriegsschiffe, und vor der Mündung des Menam war ein amerikanischer Flugzeugträger mit Kampfflugzeugen und Truppen postiert. Unabsehbare, braune Menschenmassen strömten zum naheliegenden Flugplatz, zu dem amerikanische Soldaten von Schiffen, die im Golf von Siam vor Anker lagen, mit Hubschraubern transportiert wurden. Es waren erlebnisreiche Tage für die thailändische Bevölkerung, die Tage vom 15. bis 18. Februar.

Auf dem Bangkoker Flugplatz wurde die Schlagkraft der SEATO-Verbündeten (der South East Asia Treaty Organisation) für den Fall einer kommunistischen Aggression demonstriert. Ungefähr 800 Mann Fallschirmtruppen sprangen aus "Globemaster"-Flugzeugen ab, um zusammen mit thailändischen und anderen SEATO-Truppen eine Scheinposition des Gegners anzugreifen. Aus gigantischen sogenannten Flying Boxcars wurden 5-Tonner-Lastwagen (Weapon Carrier) und 10,5cm-Geschütze abgeworfen und innerhalb von wenigen Minuten kampfbereit hergerichtet. Anschließend demonstrierte eine prachtvolle Parade mit Panzern, Geschützen und der amerikanischen Riesenrakte "Honest John" mit Musik und Fahnen und darüber hinfliegenden Staffeln von Hubschrauber-, Kampf- und Transportflugzeug-Einheiten noch einmal die geballte Kraft der SEATO vor der Bevölkerung, die die öffentlich erklärten Feiertage restlos genoß.

Anlaß für dieses gewaltige Aufgebot war die vor etwa einem Monat der USA gestellte Frage der thailändischen Regierung, ob nicht in ihrem Bereich einmal ein SEATO-Manöver abgehalten werden könne. Da das Ganze als Überraschung (einem wirklichen Überfall gleich) aufgezogen werden sollte, wurde erst Anfang Februar die Aufforderung an alle SEATO-Verbündeten gerichtet, so schnell wie möglich und in größtmöglicher Stärke zu einem Manöver nach Bangkok zu eilen – Stichwort: Überfall auf Thailand. Daraufhin erschienen am 15. Februar die USA mit einem Flugzeugträger, der außer 2500 Mann Besatzung 30 Hubschrauber und 2000 Mann Marine-Landeeinheiten an Bord hatte, sowie mehrere US-Begleitschiffe und etwa 50 Transportflugzeuge, die weitere 1000 Mann und schwere Waffen an Bord hatten. Großbritannien schloß sich mit einem Kreuzer, Australien mit einem Zerstörer und Neuseeland mit einer Korvette an. Von den Philippinen wurde eine Kompanie Infanterie nach Thailand befördert. Frankreich und Pakistan beteiligten sich nicht. Großbritannien gab als Entschuldigung für seinen geringen Beitrag die Bindung seiner militärischen Kräfte in den Malaya-Unruhen an, während es den Anschein hat, als ob Frankreich und Pakistan wegen zu kurzfristiger Benachrichtigung schmollten.

Thailand selbst hat eine kleine durch die USA trainierte und auch von ihr mit Material ausgerüstete Armee, die natürlich nie imstande wäre, eine kommunistische Aggression für längere Zeit aufzuhalten. Daher ist es verständlich, wenn Thailand von allen SEATO-Ländern am stärksten daran interessiert ist, die Organisation So schlagkräftig und effektvoll wie nur möglich zu sehen. Überhaupt ist Thailand einer der aktivsten SEATO-Partner. Die Manöver haben einige Anregungen zur Verbesserung dieser Organisation, bei der im Gegensatz zur NATO kein gemeinsamer Oberbefehl über gemeinsame Truppen geplant ist, gegeben. Sie haben gezeigt, daß die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Truppenteilen klappt, und daß im Ernstfalle die Organisation in der Lage sein würde, Hilfe zu bringen. Überdies war der Eindruck auf die thailändische Bevölkerung ein recht günstiger.

Der thailändische Premierminister, Feldmarschall P. Pibulsongram, gab seiner Zufriedenheit mit den Worten Ausdruck: "Ich bin sehr glücklich, alles war ausgezeichnet, wir können nun in Frieden schlafen, denn unsere Freunde haben uns bewiesen, daß sie bereit und in der Lage sind, uns im Ernstfall zu Hilfe zu kommen!"

Hartmut W. Schneider