Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die seit einigen Wochen bei einzelnen Welthandelsgütern zu beobachtende Preisanstiegstendenz hat sich während der Berichtswoche (20. bis 24. Februar 1956) zum Teil verstärkt fortgesetzt. Einfluß auf die Nahrungsmittelpreisentwicklung haben zwei Momente gehabt, und zwar einmal die in Europa erwartete Nachfragesteigerung infolge der umfangreichen Frostschäden und zum anderen US-amerikanische Bemühungen, Getreide, Ölsaaten und Ole gegen Bezahlungen nationaler Währung abzusetzen.

Hinzu kommt die Ankündigung des US-Präsidenten, Agrarüberschüsse in Notstandsgebiete zu liefern.

Besonders stark waren die Preissteigerungen an den NE-Metallmärkten. Innerhalb einer Woche zog z. B. die Londoner Kassanotierung für Kupfer um 20 1/2 £/lgt = 5,1 v. H. und die Zinn-Notierung um 70 £/lgt = 8,7 v. H. an. Am letzten Tag der Berichtswoche erreichten sowohl der New Yorker als auch der Londoner Kupferpreis mit 49,50 c/lb bzw. mit 421. £/lgt einen neuen Höchststand. Bestimmend für diese Entwicklung ist weitgehend die durch Streiks in den wichtigsten Produktionsländern hervorgerufene Kupferknappheit. Dies hat nicht nur bei den Erzeugern, sondern auch bei den Verarbeitern ein Schrumpfen der Vorräte hervorgerufen. Wenn es auch möglich sein sollte, die Produktion im Laufe der nächsten Monate erheblich zu steigern, so ist es doch fraglich, ob hierdurch ein nennenswerter Preisrückgang eintreten wird.

Die meisten hier notierten Textilfasern neigten mit Ausnahme der Baumwolle zur Schwäche. Dies steht auf den britischen Märkten teilweise im Zusammenhang mit der Diskonterhöhung. Die Kautschuknotierung hat sowohl in New York als auch in London während der Berichtswoche wiederum eine erhebliche Abschwächung erfahren. Neben der rückläufigen US-amerikanischen Automobilproduktion dürfte die verstärkte Synthesekautschukverwendung als Ursache der Preisabschwächung angesehen werden. In Anbetracht der im weiteren Ausbau begriffenen Synthesekautschukindustrie dürfte angenommen werden, daß hierdurch langfristig gesehen ein weiterer Druck auf die Naturkautschukpreise ausgehen wird.

Getreide: Auf den nordamerikanischen Getreidemärkten konnten sich die Getreidenotierungen zum Teil erheblich festigen. Ursächlich hierfür waren das lebhafte Auslandsgeschäft sowie Berichte über Frostschäden im europäischen Getreideanbau. Infolge der durch die Kälte hervorgerufenen Schäden will die französische Regierung vorläufig keine Ausfuhrofferten in Weizen unterbreiten. Präsident Eisenhower hat angeboten, Agrarüberschußerzeugnisse für Notfälle bereitzustellen.

Öle und Fette: Auch bei den Ölen und Fetten setzte sich eine Preisanstiegsbewegung infolge lebhafter internationaler Nachfrage und auf Grund von Berichten über Frostschäden in Europa durch. Infolge der geringen Olivenernte des Mittelmeerraumes sind diese Länder gezwungen, sich andere Ole zu verschaffen. Auch die Schmalznotierungen zogen infolge einer guten Auslandsnachfrage an.