In der Masse ist ein Mann stets populär, wenn er sich als ihr Wohltäter gebärdet und in der Öffentlichkeit zum "Preisbrecher" wird. So geht es auch Herrn Duttweiler in der Schweiz, der mit seinen Migros-Läden und neuerdings seinen Tankstellen, die das billigste Benzin abgeben, sicherlich sehr viele Eidgenossen auf seiner Seite hat. Duttweiler hat mit den von ihm vertretenen und ausgenutzten Ideen zweifellos große Erfolge – und darum auch viele Neider. Mit ihnen wollen wir uns keineswegs in eine Reihe stellen, wenn wir hier von einem Prozeß berichten, den kürzlich die Migros-Zentrale in Zürich gegen die Zeitschrift "L’Alimentation", Verbandsorgan selbständiger Grossisten der Lebensmittelbranche in Lausanne, anstrengte.

Es ging darin um Verleumdung, üble Nachrede, Beleidigung, Kreditschädigung und unlauteren Wettbewerb. Angeklagt war der Redakteur des Blattes, der ein in ein Gespräch gekleidetes Interview mit einem Migros-Geschäftsführer veröffentlichte. Darin hieß es aus dem Munde des Migros-Mannes: Seine Arbeit sei eine unerträgliche Belastung, die Arbeit beginne um 6 Uhr früh und ende um 8 Uhr abends, das Personal habe eine Arbeitszeit von 51 Stunden, obgleich Herr Duttweiler für die 44-Stunden-Woche eintrete. Noch schlimmer sei das Betriebsklima. Es hieße immer: Verkaufen, verkaufen, einkassieren, einkassieren – den Geschäftsumsatz steigern. Es wäre ein "höllischer Betrieb", und er zöge die Freiheit dem anerkannterweise guten Verdienst vor.

In der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 9. Februar steht zu lesen, daß der angeklagte Redakteur durch Zeugenaussagen den Wahrheitsbeweis für den Inhalt des Interviews antreten konnte und deshalb freigesprochen wurde. Der Anspruch der Migros auf eine Entschädigung für ihre gerichtliche Intervention wurde abgelehnt.

In zweierlei Hinsicht ist dieses Urteil für uns bemerkenswert. Einmal zeigt e. die Grenzen der Rationalisierung. Sie liegen dort, wo der Mensch – getrieben von einem System – zur Maschine wird. Das Betriebsklima wird schlecht und die betriebspolitischen Konsequenzen sind unübersehbar. Preissenkungen, die auf diese Weise erreicht werden, dürften in höchstem Maße problematisch sein. Zweitens liefert das Urteil wertvolle Erkenntnisse für den Fall, daß Herr Duttweiler seinen Plan, auch bei uns festen Fuß zu fassen, weiter verfolgen sollte. K. W.

In der Reihe ihrer Länder-Wirtschaftsberichte hat die Deutsch-Südamerikanische Bank AG, Hamburg 36, jetzt einen Bericht über Uruguay folgen lassen.

Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Zehntagedienstes für Wirtschafts-, Steuer- und Sozialrecht "Der Betriebs-Berater" erschien das Januarheft als Jubiläumsausgabe (Verlagsgesellschaft "Recht und Wirtschaft" mbH, Heidelberg).