Die "Herald Tribune", New York, knüpfte kürzlich einige Betrachtungen an die Meldung, daß das Volkswagenwerk von seinem Plan, den VW auch in Amerika herzustellen, Abstand genommen habe, obwohl bereits ein Fabrikgelände in New Jersey gekauft worden sei. Es geht das Gerücht – so schrieb das Blatt – daß Walter Reuther, der Gewerkschaftsführer, dahinterstecke und meinte: "Es lohnt sich, dem Gerücht nachzugehen."

"Es gab niemals Kontroversen", so erklärte das Volkswagenwerk jedoch der ZEIT, "weder mit Mr. Reuther und seiner Gewerkschaft noch mit irgendeinem Unternehmer." Tatsächlich hatte das Volkswagenwerk ein Industriegelände in New Jersey gekauft – ein risikoloser Kauf, weil es jederzeit neue Käufer finden würde. "Ich habe einen Rahmen gekauft", sagte Dr. Nordhoff damals, "aber wie das Bild aussehen wird, weiß ich noch nicht." – Nun, mittlerweile weiß er, daß dieses "Bild" vorläufig nicht wird "gemalt" werden können. Das Gelände ging inzwischen in den Besitz eines Kabelwerkes über.

Der Volkswagen – für den auch nach Ansicht des "Herald Tribune" in Amerika Bedarf herrscht und der heute ab New York 1945 Dollar kostet – sollte in New Jersey montiert werden. Aber diese Montage wird zu teuer, es sei denn, man versähe das Werk mit ultramoderner Ausstattung. Dies aber würde allzu hohe Investitionen erfordern. "The Volkswagen people are smart business men", meinte "Herald Tribune". Auch im Verzicht – so darf man hinzufügen – kann Geschäftstüchtigkeit liegen. Der Verzicht auf ein amerikanisches Volkswagen-Zweigwerk mag um so leichter sein, als die Exportzahlen nicht unerfreulich sind: 35 000 Volkswagen wurden im vorigen Jahre nach den USA geliefert, 50 000 bis 60 000 hofft man in diesem Jahr dorthin exportieren zu können. Es mag übrigens sein – so darf wohl hinzugefügt werden –, daß Amerikaner, wenn sie schon einen ausländischen Wagen fahren, Wert auf ein Original legen. Das Made in Germany spielt auch im Falle des Volkswagens eine Rolle. M.