Bundesverkehrsminister Seebohm hat wieder einmal von sich reden gemacht: Er lehnte das Angebot des Güterfernverkehrsverbandes ab, Kohle zum (billigeren) Bundesbahntarif zu befördern. Und er verwies auf dem Kreisparteitag der Deutschen Partei in Jesteburg bei Harburg einen Journalisten aus dem Saal, der einmal einen kritischen Artikel über ihn geschrieben hatte.

Seebohms väterliche Sorge um die Rentabilität der Bundesbahn ist bekannt und ebenso seine stiefmütterliche Behandlung der Bundesstraßen. Aber daß selbst Kälte, Kohlenmangel und Kohlenverteuerung sein Herz nicht erweichen konnten, war eine Enttäuschung und ein Schock. Dem durch die Verteuerung der Kohle ab Zeche ohnedies belasteten Verbraucher will es nicht in den Kopf, daß seine Hausbrandkohle teurer transportiert werden muß, als die Transporteure selbst vorgeschlagen haben. Viele werden schulterzuckend sagen: "Bürokratie." Aber die Bürokratie ist diesmal nicht schuld. Die höheren Tarife für Straßentransporte sind weiter nichts als eine schlecht getarnte Subvention der Bundesbahn. Herr Seebohm hat Schiene und Straße in seinem Ressort, in seiner Brust aber offenbar nur eine Schienenseele.

Wie wäre es, wenn einer der noch verfügbaren Sonderminister einspränge, um ihn aus diesem Zwiespalt zu erlösen? Wir haben ja schon einen Wasserminister (Spitzname "Wasser-Kraft"), warum nicht auch einen Straßenminister? Für Herrn Seebohm selbst möchten wir dann den Titel "Bundesschienenminister" vorschlagen, selbst auf die Gefahr hin, daß seine Gefühle für Journalisten dadurch nicht freundlicher werden. -ll