5. Bremen

Der Bremer Küperlehrling (hochdeutsch: Küferlehrling) Ewald Kopatschek hatte das Mißgeschick, seine Abschlußprüfung nicht zu bestehen. Er wechselte den Lehrherrn, stieg nach einem halben Jahr – diesmal erfolgreich – wieder in die Prüfung und verklagte anschließend seinen ersten Lehrmeister auf einen Schadenersatz von 1825 DM. Soviel nämlich hätte Ewald verdient, wenn er seine Lehrzeit nicht um zusätzliche sechs Monate hätte verlängern müssen. Daß er das Geld aber nicht verdient habe, daran sei kein anderer schuld als sein Lehrmeister, der ihm nicht das nötige Rüstzeug für den Kampf mit einer kritischen Prüfungskommission vermittelt habe. So argumentierte der streitbare Lehrling vor dem Arbeitsgericht. Vor allem beklagte er sich darüber, daß sich der Betrieb des Lehrherrn schon nach einem Jahr Lehre ausschließlich mit Tally-Arbeiten (Ladungskontrollen an Bord der Schiffe) befaßt habe, was zwar ein Nebenzweig der Küperei sei, aber eben nicht mehr.

Küpermeister Heinrich Henkel wehrte sich energisch gegen die Behauptung, er habe seine Lehrherrenpflichten verletzt. Er benannte einen anderen Lehrling als Zeugen dafür, daß er sehr wohl in der Lage gewesen sei, die notwendigen Kenntnisse zu vermitteln, denn dieser hatte die Prüfung auf Anhieb bestanden. Das Arbeitsgericht sah darin, keinen Beweis, weil eine theoretische Unterweisung allein nicht genüge. Es verurteilte den Meister, die Forderung des Lehrlings zu bezahlen. Der Küper legte Berufung ein. Ohne Erfolg.

Das Landesarbeitsgericht kam zu dem Urteil, daß der Lehrling an dem Versagen in der Prüfung zwar mitschuldig sei, da er in der Berufsschule häufig gebummelt und daher nicht alle Möglichkeiten der Weiterbildung ausgenutzt habe. Deshalb solle die Schadenersatzforderung um die Hälfte gekürzt werden. Aber die verbleibenden 912,50 DM müsse der Meister zahlen. Dieser hätte sich spätestens ein Jahr nach Abschluß des Lehrvertrages, als nämlich kaum noch Küperarbeiten in seinem Betrieb anfielen, nach einer anderen Lehrstelle für Ewald umsehen müssen. "Nach allgemeinen vertraglichen Grundsätzen ist der Beklagte dem Kläger für das Nichtbestehen der Abschlußprüfung schadenersatzpflichtig, da er während der letzten beiden Lehrjahre seine Pflichten als Lehrherr...völlig vernachlässigt hat", belehrte das Gericht den Lehrherrn, der jetzt als Meister "Lehrgeld" zahlen muß.