"Säuberung" nannte Stalin die Vernichtung seiner Gegner, und so mancher, der ihm bei diesem blutigen Geschäft geholfen hatte, wurde nachträglich selbst gesäubert. Stalin entging diesem Schicksal zu Lebzeiten, aber nun hat es ihn doch ereilt. Nicht nur im übertragenen Sinne durch die Kritik auf dem Parteikongreß, sondern ganz wirklich: Das große Mausoleum in Moskau, in dem sein Leichnam neben dem Lenins ruht, war am dritten Jahrestag seines Todes, dem 6. März, "wegen Reinigung geschlossen". Draußen an der Mauer lagen von Unbekannten hingelegt, einige Blumen. Auch auf Neros Grab, so berichtet man uns, legten nachts, wenn es niemand sah, Unbekannte Blumen nieder. Vielleicht ist ein Diktator erst dann wirklich tot, wenn man die Blumensträuße heimlich auf sein Grab legen muß. -ell