Wie die Gelder gegenwärtig fließen, beleuchtete die Nachricht von dem über 20 Mill. DM lautenden Schuldscheindarlehen, das ein Bankenkonsortium unter Führung der Commerz- und Credit-Bank AG, Frankfurt/Main, den Buderus’ schen Eisenwerken, Wetzlar, in diesen Tagen gewährt hat. Das Darlehen ist mit einer Laufzeit von 12 Jahren ausgestattet, der Auszahlungskurs beträgt 98 1/2 v. H. und der Zinsfuß 7 1/2 v. H. Der Betrag stammt von verschiedenen Versicherungen und Pensionskassen, also von Kapitalsammelstellen, die bis zur Mitte des vorigen Jahres noch in größerem Umfang als Anleger auf den festverzinslichen Wertpapiermärkten auftraten. Durch den Ausfall dieser Gruppen, die lohnendere Möglichkeiten bei der Geldunterbringung gefunden haben, ist der Neuabsatz von Pfandbriefen stark gedrosselt; Industrieobligationen kommen nicht mehr zur Ausgabe. Der Rentenmarkt befindet sich in einer Verfassung, bei der kleinste Beträge schon, kursdrückend wirken müssen. Erfreulicher ist die Kurspflege der öffentlichen Hand geworden, die ihre Fehler vom Schluß des vergangenen Jahres nicht wiederholen möchte.

Die Aktienmärkte waren in der abgelaufenen Woche relativ gut behauptet. Die zweite Präsidentschaftskandidatur Eisenhowers, die an den Weltbörsen stark belebend wirkte, hat in Westdeutschland zwar keine nachhaltigen Aufwärtsbewegungen auslösen können, doch trug sie zur Stabilisierung des Kursgefüges bei. Für größere Engagements fehlt das Geld, zumal der Monatsultimo zu überwinden war und an 10. März ein großer Steuertermin vor der Tür steht, de – etwa 4 bis 4 1/2 Mrd. DM erfordern wird. Das Ausland interessierte sich vor allem für die IG-Farben-Liquis, die um etwa 4 Punkte auf 38 v. H. anzogen. im übrigen lag der Schwerpunkt des Geschäfts am IG-Farben-Markt bei den jungen Aktien, die in ansehnlichen Summen umgingen, ohne allerdings ihren Kurs wesentlich zu ändern.

Der Montanmarkt stand im Zeichen von Sonderbewegungen, ausgelöst durch Gerüchte und durch anhaltende oder aussetzende Interessenkäufe. Bei Mannesmann. sprach man von einer Kapitalerhöhung. Es soll sich angeblich um die Ausgabe von 80 Mill. DM jungen Aktien handeln. Die HV am 30. Juni 1955 hatte die Verwaltung bereits zu diesem Schritt ermächtigt. Vermutlich wird eine AR-Sitzung in diesem Monat über diesen Punkt eine Entscheidung fällen. Ob es tunlich ist, angesichts der mangelhaften Verfassung des Kapitalmarktes den HV-Beschluß jetzt auszuführen, steht auf einem anderen Blatt. Mannesmann hat seinerzeit mit seiner Wandel-Anleihe, die für den Anleger eigentlich bei einem Aktienkurs von über 200 v. H. interessant wird, nicht die besten Erfahrungen gemacht. – Bei der Gelsenkirchener Bergwerks-AG hielten die Interessenkäufe an. Der Kurs schwankte um 154 v. H. Krages ließ mitteilen, daß er auf eine Anfechtungsklage gegen die beschlossene Kapitalerhöhung verzichtet. – Zu einem Kurssturz kam es bei Gußstahl Bochumer Verein (180 1/2 bis 163). Hier haben die Interessenkäufe zur Zeit ausgesetzt. Großaktionär ist der Schwede Wenner-Gren. Ob er oder eine zweite Gruppe im Markt war, wurde nicht erkennbar.

Der Bankenmarkt stand im Zeichen guter Abschlüsse, die übereinstimmend von einer ausgezeichneten Ertragslage der Kreditinstitute berichten. Der Bankverein Bremen sah sich jedoch nicht in der Lage, über seinen Vorjahresdividendensatz von 8 v. H. hinauszugehen. Die offenen Reserven wurden weiter gestärkt, die Bilanzsumme beträgt jetzt rd. 20,5 (17,9) Mill. DM. Bei den Lokalpapieren spielen Hoffnungen auf einebessere Dividende als für 1954 bei der Kursgestaltung eine große Rolle. Der Anstieg bei New York Hamburger Gummi (192 bis 206 v. H.) wird auf Erwartungen zurückgeführt, die von einer Dividende von 10 (?) v. H. sprechen. Die Entscheidung dürfte noch in diesem Monat fallen. Mit dem gleichen Satz rechnet die Börse auch bei Bremer Wolle, die in der letzten Wache um etwa 6 Punkte auf 178 v. H. anzogen.

Der Entschluß des Bundestagsausschusses, die verbrieften Reichsschulden im Verhältnis 10 : 1 umstellen zu wollen, hat die Nachfragenach Reichsanleihen belebt. Der Kurs stieg von 5,90 auf 6,15 v. H. Offen bleibt die Frage, ob die vorgesehene Verzinsung steuerfrei sein wird. -ndt