Nicht durch Anstrengungen von Amtsstellen, sondem nur durch eine private Initiative von eigentümlich überzeugender Art hat der Hörspielpreis der Kriegsblinden Aufmerksamkeit und Ansehen in der deutschen Öffentlichkeit erlangt: vom Bund der Kriegsblinden und seiner Zeitschrift ging vor fünf Jahren die Anregung aus, alljährlich dem Verlassen des geglücktesten Hörspiels die Plastik eines kriegsblinden Bildhauers als Dankgeschenk zu überreichen. Inzwischen ist das zu einer schönen Gepflogenheit geworden, die über den Tagesruhm und die festliche Ehrung in Gegenwart des Bundespräsidenten hinaus für den preisgekrönten Autor auch materiell erfreuliche Folgen zu haben pflegt und seinem Werk weite Resonanz gibt. Denn es ist üblich geworden, daß alle deutschen Funkhäuser sein Hörspiel "nachspielen". Diesmal gab das Preisgericht in München einmütig seine Stimme dem achtundzwanzigjährigen Münchener Dramatiker Leopold Ahlsen für das Hörspiel Philemon und Bancis", das er inzwischen selbst zu einem Theaterstück ausgearbeitet hat. Und auch dies Schauspiel ist bereits ausgezeichnet worden: mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis der Berliner Volksbühne. (Über die Münchener Uraufführung benehmen wir in Nr. 3 der ZEIT). Ahlsen, ein starkes Talent von eminenter Ausstrahlung auf Hörer, Leser und Zuschauer, steht mit diesen so notwendigen Eigenschaften unter den jüngeren Autoren, die für Bühne und Funk schreiben, einigermaßen isoliert. Immerhin: die beiden Werke, die mit Ahlsens tragischer Ballade vom griechischen Partsanenkrieg durch ehrenvolle Erwähnung ausgezeichnet wurden, stammen ebenfalls von recht jungen Dichtern: Peter Hirche, der Autor der "Heimkehr" (DIE ZEIT Nr. 15/1955) ist dreiunddreißig, der Berliner Benno Meyer-Wehlack, dessen ebenso sparsames wie eindringliches Hörspiel "Die Grenze" für die Zukunft Bedeutendes erwarten läßt, ist sogar erst sechsundzwanzig Jahre alt.

Wir werden sehen:

Sonnabend, 10. März, 20.10 Uhr: In Frankfurt will man es wagen, Hans Werner Richters satirische Story eines deutschen Filmdrehbuchs von heute (gegen deren Hörfunkform die Filmindustrie mit Erfolg protestiert hat), in einer Fernseheinrichtung unter dem Titel "Die Weichen sind falsch gestellt" zu zeigen.

Wir werden hören:

Donnerstag, 8. März, 19.15 Uhr vom NDR: Zum erstenmal geht über die Mittelwelle Benno Meyer-Wehlacks soeben in München ausgezeichnetes Berliner Hörspiel "Die Grenze", in dem zwei alte Leutchen, erschreckt von den Zeitläuften, die von ihnen selbst mit der Grenzziehung auf ihrem Grundstück beauftragten Landvermesser als Funktionäre einer anonymen Gewalt verkennen.

20.15 aus Bremen, 2. Progr.: Die Salzburger Aufführung von Mozarts "Idomenep" unter Karl Böhm. – 21.00 vom SWF: Zur "Woche der Brüderlichkeit eine Hörfolge des nach Deutschland heimgekehrten Armin T. Wegner: "Auf der Suche nach den zehn Gerechten." – 23.00 aus Frankfurt: Kammermusik von Ernst Krenek (20 Miniaturen für Klavier und das 6. Streichquartett). – 23.15 vom SWF: Im musikalischen Nachtstudio Philipp Jarnachs "Musik zum Gedächtnis der Einsamen", die "Trois Chants du XVIiéme siécle" von Jean-Louis Martinet und die 5. Klaviersonate von Bentzon.

Freitag, 9. März, 19.30 Uhr vom NDR, 2. Programms