Unsere moderne Zivilisation hat unser Leben neu geordnet, und die Häufigkeit der Erkrankungen nimmt seitdem zu. Die Statistiken nennen immer erschreckendere Zahlen. War es früher keine Seltenheit, daß ein Siebzigjähriger nie ernstlich krank war, so ist heute ein Zehnjähriger, der noch nicht wegen irgendeines Gebrechens beim Arzt war, eine Seltenheit. Je mehr Zivilisation, desto mehr kranke Menschen. Die Zivilisation stört den natürlichen Rhythmus des Menschenlebens, macht die Nacht zum Tage, fordert Höchstleistungen, wo schöpferische Pause sein sollte, zwingt zur Ruhe, wenn der Körper auf Leistung eingestellt ist, überfordert die Leistungsfähigkeit und verschleißt die Abwehrkraft des Organismus. Sie gebiert neue Krankheiten und stiehlt dem Menschen die Lebensfreude.

Daher wächst als Abwehr heute die durch alle Schichten des Volkes gehende unheimlich anmutende Flucht vor der Zivilisation. Daher das Camping, das Zelten unter primitivsten Verhältnissen, der Urlaub in wenig zivilisierten Ländern. Eine Flucht, ein panikartiges Entweichen aus der Zivilisation für kurze Zeit kann aber noch lange nicht das Wiederhineinstellen in die natürliche Ordnung bewirken.

Für eine Heilung – dasselbe gilt auch für die Vorbeugung gegen Krankheiten – ist es unerläßlich, daß wenigstens der Versuch gemacht wird, die gestörte natürliche Lebensordnung wiederherzustellen. Wenn der Mensch sie mißachtet, wird er mit Krankheit geschlagen. Schon die Disharmonie im Verhältnis von Nahrungsaufnahme, Arbeitszeit, Ruhezeit, Bewegung mündet in Krankheit. Die Arbeit der Forschung hat gezeigt, daß auch der Mensch als Lebewesen dem großen Rhythmus seiner Umwelt unterliegt. Der Wechsel von Tag und Nacht, Sonnenschein und Regen, Frühling, Herbst, Sommer und Winter haben eine sinnvolle Bedeutung für ihn. Erst kürzlich konnte exakt nachgewiesen werden, daß die Einwirkungsdauer des Lichtes auf das Auge bestimmte Veränderungen in den Stoffwechselvorgängen hervorruft und daß die Menge des durch das Auge aufgenommenen Lichtes tief in das vegetative Geschehen eingreift. Das uralte Wissen darum, daß die Regenerationskraft im Frühjahr besonders, stark ist, kommt nicht von ungefähr. Die moderne Lehre spricht von "Kreisprozessen bei der dynamischen Struktur des Lebens" und versteht darunter, daß "die Strukturveränderungen immer wieder an ihren Ausgangspunkt gebracht werden müssen, damit der Lebensvorgang erneut bestehen kann". Eine Verneigung der Wissenschaft vor der naturgegebenen Ordnung!

Das in der natürlichen Ordnungstehen ist, es sei noch einmal betont, für die Heilung und die Gesunderhaltung notwendige Voraussetzung. Freilich werden sich viele Menschen heute immer wieder von der Hetze des Tages überrumpeln lassen. Es bleibt ihnen häufig gar nichts anderes übrig. Um so mehr sollten sie die Urlaubszeit benutzen, mit ihrem Stoffwechsel, mit ihrem. Kreislauf, mit sich selbst und ihrer Umwelt wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die Regelung des Tagesablaufes, die Ruhe und Besinnlichkeit, die Entspannung und Bewegung, die Freude um das Spiel, das sind die praktischen Dinge, die besser dazu geeignet sind, den Menschen wieder in die natürliche Ordnung zu stellen, als die Eroberung Italiens und Griechenlands vom Omnibus aus.

Wer es ermöglichen kann, sollte gelegentlich auch einmal eine Badereise, planen, um eine Krankheit auszukurieren, um beginnende Zivilisationsschäden zu beseitigen und sich zu erneuern. Die Heilbäder und Kurorte bieten für alle organischen Krankheiten, aber auch für die Zivilisationsschäden die geeignete Behandlung, die spezielle ärztliche Betreuung und die stärkenden Brunnen und Bäder an. Man lasse sich von seinem Arzt beraten und wähle mit Bedacht den richtigen Ort. Z-n