Von Felix Morley

Washington, Anfang März

Bei all den vielen Überlegungen und Erwägungen, die Präsident Eisenhower während dieser letzten Wochen angestellt haben muß, ehe er seine Entscheidung fällte, stand wohl ein Gedanke immer im Vordergrund: Als Präsident der Vereinigten Staaten kann ich einen vielleicht ausschlaggebenden Beitrag zur Erhaltung des Weltfriedens leisten.

Er selber betonte das, mit klaren, einfachen Worten, wie es seine Art ist, in einem Rechenschaftsbericht an das amerikanische Volk. Den Einfluß der Vereinigten Staaten zur Erhaltung "eines gerechten und dauernden Friedens" geltend zu machen, sagte er, "ist eine besondere Verantwortung, die die Verfassung dem Präsidenten auferlegt".

Eisenhower ist frei von jeder Arroganz. Aber natürlich ist er sich der ungeheuren Machtstellung bewußt, die er als Präsident der Vereinigten Staaten innehat; er weiß, welches Ansehen er persönlich in der ganzen Welt genießt; und es kann ihm nicht entgangen sein, wie phantasie- und einfallslos die amerikanische Außenpolitik während seiner Krankheit geworden war. Diese Faktoren dürften den Ausschlag gegeben haben, denn der Präsident war vor seiner Krankheit keineswegs entschlossen, für eine zweite Amtsperiode zu kandidieren.

Es steht fest – soweit es überhaupt möglich ist, Zukünftigen als feststehend zu betrachten –, daß Eisenhower auf dem Parteitag der Republikaner, der im August in San Franzisko stattfindet, einstimmig als Präsidentschaftskandidat nominiert wird. Sehr viel weniger sicher ist, ob auch Vizepräsident Nixon wieder als Kandidat in Frage kommt. Natürlich wird diesmal, der Vertreter Eisenhowers mit ganz besonderer Sorgfalt ausgewählt werden.

Falls die Gesundheit des Präsidenten hält, ist seine Wiederwahl fast ebenso sicher wie seine Kandidatur. Die große Popularität, deren er sich schon immer erfreute, hat durch seine zu Herzen gehende Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit während der letzten Wochen einen neuen Höhepunkt erreicht. Das heißt nicht, daß alle Republikaner ihn verehrten. Innerhalb der Partei wird ihm von manchen vorgeworfen, er sei "zu international" und "zu sozialistisch". Aber nachdem Senator Knowland seine Ansprüche zurückgezogen hat, gibt es niemanden auf dem rechten Flügel der Republikaner, der die Absicht oder die Verwegenheit hätte, sich gegen Eisenhower aufstellen zu lassen.