Am 2. März haben der französische Außenminister Pineau und der marokkanische Ministerpräsident Si Bekkai die Deklaration über die Unabhängigkeit Marokkos unterzeichnet. Rascher, als man bisher angenommen hatte, ist damit die französische Herrschaft über diesen Teil Nordafrikas zu Ende gegangen. Dieses unerwartete Ereignis hat eine gewisse Bestürzung in Madrid hervorgerufen.

Franco hatte seinerzeit die Partei des abgesetzten Sultans Mohammed Ben Jussef ergriffen und sehr zum Ärger der Franzosen durchblicken lassen, Spanien werde seinem Teil Marokkos volle Autonomie gewähren, was ihm die uneingeschränkte Bewunderung des arabischen Blocks eintrug. Überraschenderweise hat General Franco dann aber, als der Sultan zurückkehrte, in einem Interview erklärt, Marokko sei noch nicht reif für die volle Unabhängigkeit. Das Vorgehen der Franzosen in Französisch-Marokko bringt Madrid nun in äußerste Verlegenheit, denn es zwingt die Spanier, den gleichen Weg zu gehen. Während aber die Franzosen ihre Kolonialherrschaft in Marokko erst 1912 begründeten, sind die Beziehungen Spaniens in Nordafrika Jahrhunderte – man kann sagen, ein Jahrtausend alt – und darum nicht so leicht zu lösen. Z.