Das Zergrübeln ist bekanntlich ein deutsches Nationalübel. Bücher, die mit Absicht leicht geschrieben wurden, haben es deshalb – im Gegensatz etwa zu den angelsächsischen Ländern – bei uns immer besonders schwer, ein gerechtes Publikum zu finden. Von diesem Leidwesen wird auch ein Autor wie Horst Biernath betroffen, dessen Heiterkeit manch Gran Wahrheit besitzt und der vor allem über ein gutes handwerkliches Können verfügt:

Horst Biernaths: Es bleibt natürlich unter uns. Schneekluth Verlag, Darmstadt. 352 Seiten, 13,50 DM

nennt sich im Untertitel "Porträt einer kleinen Stadt". So wenig neuartig diese Vedute auch ist, sie ist doch stets spannend und ein trefflicher Grillenscheucher – wenn man sie zur rechten Zeit zur Hand nimmt. Biernaths Aldenberg ist das bekannte, spießige Nest, wo man schnell nachrechnet, wie lang der "Balg" nach der Hochzeit braucht, um auf die Welt zu kommen. Zwischen Typen wie dem Opa, der fanatisch hinter den Pferdeäpfeln her ist, dem Dienstmädchen, das in der Haustür noch rasch einen heimlichen Schluck aus dem Maßkrug tut, und dem Wirt, der rauchend vor seiner Metzgerei steht und sich am Regenrohr den Rücken reibt, hat Biernath das hoffnungslose Liebespaar Jo und Lothar gesetzt, er: kümmerlicher Redakteur des Lokalblättchens, sie: Tochter des bigotten und einzigen Warenhausbesitzers "am Platze". Wie die beiden, von allen Seiten drangsaliert, schließlich doch noch zusammenfinden, das ist so echt erzählt, daß man Biernath die obligate Geschichte von dem Gewürzmüller Lochbichler und der hochbeinigen Kosmetikerin Ellinor, denen beim Baden aber auch sämtliche Kleidungsstücke gestohlen werden, verzeiht. -ius