Die Berliner Handelsgesellschaft hat, wie ihre soeben vorgelegte Bilanz zeigt, im vergangenen Jahre gut verdient. Der ausgewiesene und daher versteuerte Gewinn beträgt 4,2 Mill. DM. Das sind gut 20 v. H. des Kommanditkapitals von 20 Mill. DM. Die eine Hälfte des Gewinns soll den Aktionären als Dividende (die sich damit von 8 v. H. in 1954 auf 10 v. H. in 1955 erhöht) zufließen. Die andere Hälfte geht in die offene Rücklage. Die Geschäftsinhaber halten die ausgewiesene Sammelwertberichtigung (ihre Höhe ist nach oben durch steuerrechtliche Bestimmungen begrenzt) nicht für ausreichend. Es wurde deshalb schon im vergangenen Jahre der offenen Rücklage 1 Mill. DM zugeführt; in diesem Jahr sind es noch einmal 2 Mill. DM. Da alle erkennbaren Risiken schon vorweg abgeschrieben sind, handelt es sich hier offensichtlich um eine Verstärkung der Reserven für eine Zeit, in der die Banken nicht mehr so leicht und risikolos ihr Geld verdienen, wie das heute noch der Fall ist.

Jeder erfahrene Bankier aber weiß – die Berliner -Handelsgesellschaft kann in diesem Jahre auf eine Geschichte von 100 Jahren zurückblicken –, daß nicht ewig schönes Wetter ist und daß Perioden einer ständigen Expansion auch wieder von stillen Zeiten abgelöst werden. Hierfür sorgt man vor, zumal man in der Berliner Handelsgesellschaft nicht den Eindruck hat, als ob schon alle Industrie- und Handelsunternehmen innerlich so gefestigt und gestärkt wären, als daß sie Perioden des geschäftlichen Rückganges vertrügen.

In der Bilanzbesprechung wurde als Beispiel angeführt, daß das nur vier Wochen währende Frostwetter mit seiner Stillegung der Außenarbeiten bereits das eine oder andere wohlangesehene Bauunternehmen in Schwierigkeiten gebracht hat. Deshalb muß die Wirtschaftspolitik jetzt auf eine Stärkung der finanziellen Kräfte und die Schaffung von Rücklagen ausgerichtet werden. Die Berliner Handelsgesellschaft spricht sich aus diesem Grund für eine lineare Steuersenkung aus. R l b.