DIE ZEIT

Blumen bei Nacht

"Säuberung" nannte Stalin die Vernichtung seiner Gegner, und so mancher, der ihm bei diesem blutigen Geschäft geholfen hatte, wurde nachträglich selbst gesäubert.

Bittschriften-Linde

In der Sowjetbotschaft in Berlin, Unter den Linden, finden seit einiger Zeit regelmäßig Sprechstunden für Deutsche statt, die dort ihre Beschwerden vorbringen können.

Eisenhower wird jetzt handeln

Bei all den vielen Überlegungen und Erwägungen, die Präsident Eisenhower während dieser letzten Wochen angestellt haben muß, ehe er seine Entscheidung fällte, stand wohl ein Gedanke immer im Vordergrund: Als Präsident der Vereinigten Staaten kann ich einen vielleicht ausschlaggebenden Beitrag zur Erhaltung des Weltfriedens leisten.

Konstruktives Mißtrauen

Die augenblickliche Entwicklung in Deutschland gibt Gelegenheit zu allerlei Übertreibungen und Untertreibungen. Für die einen ist es "Klärung".

In Genf klang es anders

Wenn wir für einen verstärkten Gedankenaustausch und für verstärkte kulturelle Beziehungen zwischen der Sowjetunion und unserem Lande eintreten, dann zögern wir nicht, jene Hindernisse zu erwähnen, die in der verschiedenen Struktur unserer beiden Zivilisationen liegen.

Elastizität!

Ein bekannter deutscher Arzt sagte einmal – über die Untaten des Dritten Reiches entsetzt – er komme sich vor wie ein "rocher de bronce", der mit dem Strome schwimmt.

Amüsante Gäste?

In England ist alles ganz anders. "All die mächtigen Herrscher Europas zittern vor diesen armseligen Ausländern, nur die Königin von England nicht", schrieb die Times.

Genossin Nummer 1

Mit der Wahl der Genossin Ekaterina Alexejewna Furzewa zu einem der sechs Kandidaten des Präsidiums im Zentralkomitee der KPdSU ist zum erstenmal in der Geschichte der Sowjetunion eine Frau Mitglied dieses höchsten Führungsgremiums geworden.

Spuk in Santarem

Amazonien scheint als Schauplatz für politische Abenteuer in Mode zu kommen. Kaum war am Oberlauf des Vaters der Ströme eine peruanische Revolte niedergeschlagen worden, entlud sich eine brasilianische an seinem Unterlauf.

Primaner hören Adolf Hitler

Zwei Dutzend Primaner erschienen als geladene Gäste beim Norddeutschen Rundfunk in der Rothenbaumchaussee in Hamburg. Sie wurden in einen Raum geführt, der Studio heißt.

ZEITSPIEGEL

Die SED ist offenbar zu der Einsicht gekommen, daß ihr terroristisches Vorgehen gegen die sogenannten Abwerber außerordentlich unpopulär ist.

Verfrühtes Saargespräch

Das Gespräch Dr. von Brentanos mit dem französischen Außenminister Pineau war kurz und, wie allgemein erwartet, wenig ergiebig.

Der Stuttgarter Test

Der Korrespondent der Londoner "Times", einer der zahlreichen Beobachter der "Testwahlen" in Baden-Württemberg, schüttelte bewundernd sein Haupt, als sich in der Wahlnacht das Ergebnis abzuzeichnen begann: "Die Leute scheinen ihren Kopf von der Bonner Luft frei gehalten zu haben.

Geburtswehen der indischen Einheit

Wie stark sind Indiens Kommunisten und was sind ihre Ziele? Diese Frage beschäftigt die Politiker des Westens nicht erst seit dem Indienbesuch Bulganins und Chruschtschows und seit den blutigen, von Kommunisten angezettelten Unruhen in Bombay (vergl.

Francos Sorgen

Am 2. März haben der französische Außenminister Pineau und der marokkanische Ministerpräsident Si Bekkai die Deklaration über die Unabhängigkeit Marokkos unterzeichnet.

Pascha, go home!

Eden werden wegen einiger Tanks, die nach Ägypten gegangen sind, Vorwürfe gemacht – "als ob nicht in Jordanien die Möglichkeit sich drohend abzuzeichnen begänne, daß die von Engländern ausgebildete, ausgerüstete, finanzierte und geführte Arabische Legion als erste zum ‚Befreiungskampf‘ gegen Israel marschierte, wenn sie sich einmal ihres englischen Stabschefs entledigen sollte" – so schrieben wir in der ZEIT vom 12.

Wie man den Feind los wird

Man kann von den Sowjets nicht erwarten, daß sie eine Wahlniederlage der ostdeutschen Kommunisten in Kauf nehmen. Man kann von ihnen nicht erwarten, daß sie auf diese Art ihr Prestige bei den übrigen Satelliten gefährden.

Neues Wahlrecht?

Die Schöpfer des Weimarer Verfassungswerkes mit bedeutenden Köpfen wie Hugo Preuß, die seinerzeit in der Nationalversammlung das sogenannte Mehrheitswahlrecht ablehnten, konnten nicht ahnen, daß 14 Jahre später ihr Bau zusammenbrechen würde, nicht deshalb, weil er schlecht fundamentiert und gebaut war.

Die kleineren Übel

Die kleinen Splitterparteien machen es wünschenswert, daß wir zum Mehrheitswahlrecht kommen. Natürlich wäre es ein Irrtum, anzunehmen, daß damit unsere Parteimisere aufhören würde.

Nicht immer Weltanschauung

Herr Dr. Becker als Vertreter des Verhältniswahlrechts verlangt, daß das Parlament so zusammengesetzt sein müsse wie das Volk.

Dr. Walter Menzel, MdB (SPD):: Plädoyer für die bisherige "Mischform"

Die Beratungen zum Wahlgesetz sind in diesen Tagen wieder in Gang gekommen, nachdem die Fraktionen der SPD, FDP und GB-BHE auf Grund eines in der Verfassung und der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages festgelegter Minderheitenrechtes die Einberufung des Wahlrechtsausschusses erzwungen haben.

Erinnerungen an Günther Ramin

Der Thomaskantor von Leipzig, Professor Günther Ramin-, dessen Tod durch eine Gehirnblutung die Zeitungen in der vorigen Woche meldeten, war mehr als ein großer Musiker und Dirigent.

Die armen Musensöhne

Soll die Dichtersgattin steuerbegünstigt ins Kino gehen können? Diese Frage tauchte auf, als Walther von Hollander auf einer Aussprache mit Vertretern der hamburgischen Finanzverwaltung steuerbegünstigte Kinokarten für alle Dichterfrauen forderte.

Pfiffe für Karl Böhm

Als Karl Böhm im vergangenen November als Direktor der neueröffneten Wiener Staatsoper ans Pult trat, um die glanzvolle "Fidelio"-Premiere zu dirigieren, feierte ihn das Publikum mit einer Liebe und Hingabe, die jenem denkwürdigen Tag der Wiener Operngeschichte entsprach.

Prohaske und das große Leben

Schon am Morgen dieses Tages wußte Prohaske, daß er es wieder tun würde. Er war auf seinem Zimmer. Der Altersschwäche seines Sofas wegen – zum hundertsten Male ärgerte er sich darüber – konnte er kaum in die Kaffeetasse sehen, die vor ihm auf dem Tisch stand.

Schwimmende Galerie

Es ist häufig darüber geklagt worden, daß die bildenden Künstler in der größten Stadt der Bundesrepublik – in Hamburg – noch immer kein Haus haben, wo sie ihre Arbeiten zeigen und verkaufen können.

Warum eigentlich nicht Shakespeare?

Pressemeldungen über die Öffnung des Walsinghamschen Familiengrabes in einer englischen Kirche haben wieder einmal die öffentliche Aufmerksamkeit auf die leidige Vexierfrage gelenkt, ob Shakespeare wirklich Shakespeare war.

Notizen

Ikonenforscher Wendt †. Der Ikonenforscher Dr. med. C. Heinrich Wendt starb 56jährig in Hannover. Wendt besaß die größte private Ikonensammlung der Welt und schrieb außer mehreren Büchern über Ikonermalerei des öfteren Beiträge für die ZEIT.

Bedenkliche Erfolge

Das "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" hat seine Nummer vom 20. Februar einer umfangreichen Statistik zur Verfügung gestellt, die sich mit den Umsätzen des Buchhandels von 1949 bis 1954 beschäftigt.

Stets das Unerwartete

Dies ist ein Buch der Erinnerungen und nicht eine Selbstdarstellung..." liest man auf der ersten Seite, und auf einer der letzten steht: "Ich wollte lediglich versuchen, einige Begebnisse in Erinnerung zu rufen, die vom Herkömmlichen um einiges abwichen und deshalb in meinem Gedächtnis haften geblieben waren.

Grillenscheucher

Das Zergrübeln ist bekanntlich ein deutsches Nationalübel. Bücher, die mit Absicht leicht geschrieben wurden, haben es deshalb – im Gegensatz etwa zu den angelsächsischen Ländern – bei uns immer besonders schwer, ein gerechtes Publikum zu finden.

Liebliches und Unliebsames

Der Blanvalet-Verlag scheint ein Flair für ideale Unterhaltungslektüre zu haben. Das bewies er erneut mit dem jüngsten Buch des zu Recht vielgelesenen Yerby.

Die "Mandarins" stehen immer noch links

Es genügt nicht, mit der falschen Partei zu sympathisieren, man muß auch fähig sein, deren höhnische Verachtung zu genießen – so könnte man Jean-Paul Sartres vieldeutiges Verhältnis mit den Kommunisten charakterisieren.

Wo der Frühling beginnt

Bei Karlsruhe noch ist der Himmel düster und auf den Feldern liegt Schnee. Gleich hinter Freiburg aber kommt Bewegung in das Grau und Weiß: die Erde wird braun und feucht, der Tauwind zerrt an den Wolken und aus dem weißen Gebrodel zwischen Himmel und Erde, in dem die Landschaft den Frühling vorbereitet, rücken immer häufiger die Weinhügel mit den leeren, leichten Staketen bis dicht ans Gleis.

Dem Schnee nachfahren

Wenn der Schnee im Süden schon seltener wird, gibt es noch eineMöglichkeit, ihm im Norden mit dem schwedischen "Zughotel" nachzufahren.

Einmal ausruhen

Unsere moderne Zivilisation hat unser Leben neu geordnet, und die Häufigkeit der Erkrankungen nimmt seitdem zu. Die Statistiken nennen immer erschreckendere Zahlen.

Nordrhein-Westfalen: Die Geister von gestern

Ach, vernichten Sie alles!" sagte der Provinzialversicherungsgeneraldirektor Hans Goebbels in einem Zimmer der Lungenheilstätte Hosterhausen zu der Schwesteroberin Coelesta, als sie ihn fragte, was mit den Bronzebüsten von Hitler und den Bruder des Generaldirektors, Joseph Goebbels, geschehen solle.

Bremen: Belehrter Lehrherr

Der Bremer Küperlehrling (hochdeutsch: Küferlehrling) Ewald Kopatschek hatte das Mißgeschick, seine Abschlußprüfung nicht zu bestehen.

Ohne Kommentar

Ein englischer Beamter redet jeden Empfänger eines Behördenbriefes mit "Dear Sir" an und zeichnet "Yours obediently" – "Ihr gehorsamer .

Bayern: Profit aus Gefangenenarbeit

Im dicken Nebel fuhr ein grauer Opel Olympia auf der Nürnberger Autobahn nach München. Der Wagen surrte gerade über die Abzweigung nach Eching, als der Fahrer die Schlußlichter eines Lastzuges vor sich auftauchen sah.

Schleswig-Holstein: Große Strafen für kleine Sünder

Eine Dose Nesccafé und 100 g Tee hatte ein 48jähriger Gelegenheitsarbeiter aus Husum in der Tasche, als er Anfang 1955 von einer Stipvisite nach Dänemark zurückkam und den Zollbeamten bei der Grenzübergangsstelle Harrislee (nördlich von Flensburg) auf die Frage nach zollpflichtigen Waren antwortete, er habe nichts zu verzollen.

Hamburg: Catcher von St. Pauli

Horchen Sie auf das Tuten der Schiffe im Hafen, fahren Sie mit Werftarbeitern nach Tollerort oder zum Atabaskahöft, gehen Sie über die Reeperbahn, sehen Sie neben den beiden Negern in das Schaufenster mit teuren billigen Uhren, gehen Sie in die Lokale, wo in Qualm und Lärm Geld verdient wird – dann haben Sie ein Stück St.

Mehr als ein Reißer

Wie können sich vernünftige Menschen mit Banditeneinlassen?" fragt ein Polizeioffizier den anderen. Ein andermal sagt der jüngere Bruder von Glenn Griffin (Humphrey Bogart), dem Boß der drei entsprungenen Zuchthäusler, die sich im Hause einer gutbürgerlichen amerikanischen Familie gewaltsam eingenistet haben: "Ich habe alles von dir gelernt – nur nicht in einem solchen Hause zu leben.

Neu und sehenswert

Ein Mädchen aus Flandern (Deutschland). Mit einem hohen Maß an Gerechtigkeit brachte Helmut Käutner Zuckmayers deutsch-belgische Liebesgeschichte vom "Engele von Loewen" auf die Leinwand.

Funk für Anspruchsvolle: Ein einstimmiges Urteil

Nicht durch Anstrengungen von Amtsstellen, sondem nur durch eine private Initiative von eigentümlich überzeugender Art hat der Hörspielpreis der Kriegsblinden Aufmerksamkeit und Ansehen in der deutschen Öffentlichkeit erlangt: vom Bund der Kriegsblinden und seiner Zeitschrift ging vor fünf Jahren die Anregung aus, alljährlich dem Verlassen des geglücktesten Hörspiels die Plastik eines kriegsblinden Bildhauers als Dankgeschenk zu überreichen.

Auf einen Blick...

Die Frühjahrsmessen in Frankfurt und Köln bestätigen mit ihrem Geschäftsverlauf, daß nun auch die Konsumgüterwirtschaft der Bundesrepublik und Westberlins von der Konjunkturwelle erfaßt worden ist.

Leipzig mit westlichem Glanz

Auf der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse gab es einige Überraschungen. Der Andrang der Aussteller ist bereits so groß geworden, daß der Ausstellungsraum von 268 000 qm nicht mehr ausreicht.

Müde Post...

Daß die Deutsche Bundespost Tag für Tag mit bewundernswerter Findigkeit unleserlich oder unzulänglich adressierte Postsendungen zustellt, muß immer wieder gerühmt werden.

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