Man wäre geneigt zu sagen: "Die verrückten Deutschen". Aber so grob wollen wir nicht sein. Wir wollen lediglich auf eine der vielen köstlichen Inkonsequenzen hinweisen, denen viele Deutsche meist auch dann unterliegen, wenn sie sich über das Gegenteil ihrer Inkonsequenz unterhalten wollen. So fand am Sonnabend, dem 3. März, von 16 bis nach 20 Uhr, und am Sonntag, dem 4. März, von 10 Uhr (zur Kirchzeit) bis mittags eine Tagung der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e. V., Bezirksgruppe Ruhrgebiet, in Duisburg statt. Nichts gegen das Thema, noch weniger gegen die Vortragenden Dr. M. Knayer und Dr. H. Groß – ganz im Gegenteil, sie haben es wieder großartig gemacht –, aber doch ein Wort gegen die Terminwahl. Wenn man schon, wie es in der Einleitung hieß, bereit sein will, dem Horizont der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensgestaltung feste Umrisse zu geben, und wenn schon, wie es weiter hieß, nirgendwo die Probleme, die daraus entstehen, deutlicher als in der Industrie- und Hafenstadt Duisburg zu sein scheinen, dann sollte man auch in der Terminwahl zuerst einmal selbst die Konsequenzen ziehen...

Mit Sicherheit gehört nicht zu den "neuesten Ergebnissen aus den USA über Personalpolitik und Automation in Handel und Industrie", ferner nicht zu den "neuen wissenschaftlichen Verfahren im Ausland, insbesondere in Amerika, zu Leistungssteigerung und Kostensenkung", daß man das Wochenende voll mit Beschlag belegt und jene Männer und Manager, die bei Gott die Woche über genug zu tun haben, nun auch noch des Wochenendes beraubt und – die Managerkrankheit fördert.

Der Horizont der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensgestaltung wird wesentlich durch die Freizeit zum Wochenende bestimmt. Dies sollten sich alle Verbände und Organisationen endlich einmal mit schwarzfarbigen dicken Quasten an die Tapeten malen und zwar immer genau jenem Schreibtisch gegenüber, an dem die Wochenendtermine für die Mitglieder diktiert werden.

Im vergangenen Jahr sind nach unserem Redaktions-Terminkalender 21 Sonnabende und Sonntage dazu benutzt worden, die "menschliche, wirtschaftliche und finanzielle Bedeutung der Fünftagewoche und des freien Wochenendes zu diskutieren. Eine Inkonsequenz reiht sich an die andere, nur weil sich alle Beteiligten einbilden, wochentags keine Zeit zu haben. Daß es auch anders geht, hat jetzt z. B. der Phoenix-Rheinrohr-Konzern bewiesen, der für alle Verwaltungen die Fünftagewoche einführt. Also: mehr Mut zum persönlichen Horizont, mehr Mut zur Befolgung all der guten Ratschläge, die man befürwortend diskutiert! Rlt.