Der Landfunk in der bisher geübten Form ist für den interessierten Hörer oft eine Zumutung, weil die maschinell-liebenswürdig vorgetragenen (oder vom Sprecher vorgelesenen) Einzelvorträge mit ihren künstlichen Verhaltepausen allzu deutlich das Desinteresse des Sprechers erkennen lassen. Neue ländliche Hörer mit diesen verfehlten Mitteln zu sammeln, scheint eine grundsätzliche Fehlspekulation der Herren Intendanten zu sein. Und bei den Sprechern ist der Landfunk ebenfalls unbeliebt: vor oder nach einer Sendung wird viel gelästert über das „scheußlich sture Manuskript“.

Mit Recht oder zu Unrecht? Für den bäuerlichen Hörer ist die meist „unfunkische“ Form der Landfunksendung reichlich gut genug – meinen ja die Funkleute. Wie wäre hier eine Änderung möglich?

Manche Sender geben ein Beispiel, indem sie unter den Fachleuten gute Plauderer zu finden wissen – wie etwa den Frankfurter Zoo-Direktor Dr. Grzimek oder Paul Eipper oder den leider zu früh gestorbenen Ministerialdirektor Maier-Bode. Es ist nicht leicht, solche Leute zu entdecken, die über ihr Fachgebiet unterhaltsam „plaudern“ können. Aber bei gutem Willen und leidlichem Geschick findet man sie – vor allem unter den Bauern selber. Machen wir nur einmal den Versuch und unterhalten uns auf zwanzig verschiedenen Höfen mit den Betriebsführern und ihren Frauen. Wie schnell wird dann der innere Kontakt da sein!

Ich denke z. B. an den früheren Rennreiter und jetzigen Berichter Jochen Wimmer als Mittler. Aber ist für diesen Meistersprecher nicht der Landfunk viel zu schade? – Diese „Antwort-Frage“ folgt unzweifelhaft! Bisher scheint für den Landfunk die primitivste Sendeform – der abgelesene Vortrag – weil die billigste, auch die fast einzig mögliche Sendeform zu sein – oder bestenfalls das (verlesene) „Zwiegespräch“. Hier ist der Funk seit drei Jahrzehnten stehengeblieben. Wie aber wird das in dem Land-Fernsehfunk einmal werden, der unweigerlich doch auch einmal kommen wird! – Getrost, es gibt schon gute Ansätze bester Leistungen auch hier – etwa mit den Gesprächen von Christian Diederich Hahn. Sie sollten auch den Leuten vom Wald- und Wiesen-Landfunk Anregungen genug geben. H. D.