Die Frankfurter Versandhaus Neckermann G. hat in diesen Tagen ihren Katalog in einer Auflage von 2 1/2 Mill. Stück verschickt. Auf 200 Seiten unterbreitet das rührige Unternehmen sein Angebot an Konsumartikeln vom Taschentuch bis zum Moped. Jede einzelne Ware ist unter Qualitätsangabe beschrieben und abgebildet und mit einem Preis, der bis zum 1. September 1956 fest gilt, ausgezeichnet. Damit übernimmt das Unternehmen bei der augenblicklichen unübersichtlichen Preissituation zweifellos ein Risiko, es dokumentiert aber auch sein Vertrauen in die künftige Wirtschaftsentwicklung. Dieser Katalog wirkt weit über den eigentlichen Geschäftsbericht des Versandhauses hinaus. Er stellt einen Maßstab dar, mit dem jeder Konsument die Preisgestaltung des gesamten Einzelhandels in vergleichbaren Waren beurteilen kann. Solange der Neckermann-Katalog gilt, vermag deshalb auch die Konkurrenz mit ihren Preisen von diesem Angebot nicht allzuweit abzugehen. Seine Breitenwirkung ist deshalb beträchtlich.

Das hat man bereits in den Amtsstuben der Behörden, Verbände und Gewerkschaften erkannt. Hier ist der Neckermann-Katalog schon vielfach an dieStelle des Lebenshaltungsindexes getreten. Man mißt ihm einen größeren Aussagewert zu, weil er nur solche Konsumartikel enthält, die tatsächlich von einer sehr breiten Käuferschicht nachgefragt werden und weil jede Angabe des Katalogs uneingeschränkt mit einem Angebot belegt ist. Der Lebenshaltungsindex ist in seiner praktischen Handhabung vielleicht einfachen er war jedoch in seiner Gestaltung stets umstritten, da er von viel zu sehr vereinfachten Voraussetzungen ausgeht und daher mehr theoretischen als praktischen Vorstellungen entsprach. In Lohnverhandlungen wird deshalb schon heute des öfteren der Neckermann-Katalog an Stelle des Lebenshaltungsindexes als Beleg für Argumentationen herangezogen, wobei das in gleicher Weise für die Arbeitnehmer- wie für die Arbeitgeberseite zutrifft. -eh

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Die „Deutsche Investment-Trust-Gesellschaft für Wertpapieranlagen mbH“ wurde mit dem Sitz in Frankfurt/Main gegründet. Das von den drei Nachfolgeinstituten der Dresdner Bank aufzubringende Stammkapital wird 1 Mill. DM betragen. Das Unternehmen ist die dritte deutsche Investment-Gesellschaft. Seit 1950 besteht die „Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft mbH“ in München, vor kurzem wurde in Frankfurt’Main die „Union-Investment-Gesellschaft mbH“ gegründet, deren Initiatoren mehrere namhafte Privatbankhäuser sind.

Der AR der Frankfurter Bank hat beschlossen, der für den 28. März einberufenen HV für das Geschäftsjahr 1955 die Verteilung einer Dividende von 10 v. H. auf das AK von 6 Mill. DM vorzuschlagen. Der HV wird ferner eine Erhöhung des AK auf 10 Mill. DM in der Weise nahegelegt, daß den alten Aktionären ein Bezugsangebot im Verhältnis 3 : 2 zum Kurse von 110 v. H. gemacht werden soll. Die jungen Aktien sollen ab 1. Januar 1956 dividendenberechtigt sein.

Von der Bank für Gemeinwirtschaft AG, Hamburg 35, wurde im Zuge ihrer planvollen Ausbreitung nach Schleswig-Holstein am 5. März eine weitere Niederlassung in Neumünster eingerichtet. Bei einer Einwohnerzahl von 72 000 hat sich diese Stadt mehr und mehr zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum des Landes Schleswig-Holstein entwickelt.

Motorradsaison hat begonnen. Im Februar produzierte NSU 25 181 Maschinen (Februar 1955: 16 103). An der Spitze liegt wie üblich die Quickly mit 19 425 Fahrzeugen, gefolgt von der Lambretta mit 2696, der Superfox mit 1940 und Max und Superlux mit 1720 Maschinen. Obwohl das winterliche Wetter der Entfaltung reger Motorradverkäufe im Wege steht, berichten die Händler von zahlreichen festen Kaufabschlüssen mit dem Monat März als Lieferungstermin. – übrigens hat NSU den Preis für die „Lambretta“ um 100 DM gesenkt. Begründet wird dieser Schritt mit der großen Serienproduktion; bisher laufen im Bundesgebiet über 100 000 Maschinen dieses Typs.

Bei der Büssing Nutzkraftwagen GmbH, Braunschweig, haben im Rahmen der westdeutschen Nutzfahrzeug-Produktion seit 1945 rund 25 000 Fahrzeugeinheiten das Montageband verlassen.