Die Wirtschaftspresse könnte kaum noch zählen, wieviel neue chemische Textilrohstoffe seit Kriegsende durch sie einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden sind. Jetzt ist zur Frankfurter Messe auch die Glanzstoff-Gruppe mit einer Polyesterfaser auf den Markt gekommen, nachdem die Farbwerke Hoechst AG vor einigen Wochen eine Polyesterfaser unter dem Markennamen Trevira bekanntgemacht hatte. Die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG, Wuppertal-Elberfeld, hat ihrer neuen Textilchemiefaser den Markennamen Diolen gegeben.

Bereits seit 1941 wird an diesem Kunststoff gearbeitet. Die Imperial Chemcial Industries hat ihn in England unter dem Namen Terylene und die USA-Erzeuger hatten den gleichen Stoff unter dem Namen Dacron herausgebracht. In England werden 1956 etwa 11 000 t, in den USA etwa 16 600 t dieses Textilrohstoffes produziert werden. Glanzstoff dürfte zunächst mit einer Anfangsproduktion von etwa 600 bis 700 Jahrestonnen starten, um den Markt abzutasten und ihn für das neue Produkt zu gewinnen.

Die Kunststoff-Entwicklung geht unaufhörlich weiter. Sie ist sehr "verbrauchernahe" und im besonderen auf dem Textilgebiet dem schnellen Wandel der Mode unterworfen. Kommen textilchemische Rohstoffe neu heraus, verlassen sie das Stadium der Versuchsproduktionen und stellen sie sich dem Markt, dann müssen sie einige Dutzend Feuerproben aller möglichen Art überstanden haben. So sei es nun auch mit Diolen gewesen, erklärte die Glanzstoff-Verwaltung auf einer Pressekonferenz. Faser und Faden dieses Polyester-Produktes hätten eine hohe Reißfestigkeit, eine niedrig liegende Dehnung, eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme (man könnte mit dem Anzug ins Wasser fallen und die Bügelfalte bliebe doch), eine bisher unerreichte Hitzebeständigkeit, sehr gute Lichtbeständigkeit, hervorragende Formbeständige und Maßhaltigkeit und die vor allen Dingen von den Frauen verlangte Knitterbeständigkeit und Knittererholung.

Diolen wird sowohl für Bekleidung wie für den technischen Textilbedarf geliefert. Seine Hauptverwendungsgebiete sind Oberbekleidungsstoffe, Hemden- und Blusenstoffe, Sport- und Campingkleidung, Gardinen aller Art, Steppdeckenfüllung, Segeltuche, Seile, Feuerwehrschläuche, Treibriemen, Förderbänder, Filtergewebe u. ä. m. Es sei eine Faser mit Zukunft, wurde erklärt. Der Preis liegt bei etwa 15 DM je kg, was also bei einem Mischgewebe aus 45 v. H. Wolle und 55 v. H. Diolen zu einem Anzugstoffpreis je Meter von 25 DM ab Weberei führe, mithin im Preisbereich der guten Tuchqualitäten liege. Mit 1 kg Diolen-Spinnfaser können etwa 5 Meter 45/55-Anzugstoff gefertigt werden. – Die stürmische Entwicklung der Chemiefaserindustrie in der Welt hat jedenfalls auf der deutschen Produktionspalette einen neuen farbigen Tupfen zur Verfügung. rlt.