Leo, Hamburg

Ein englischer Beamter redet jeden Empfänger eines Behördenbriefes mit "Dear Sir" an und zeichnet "Yours obediently" – "Ihr gehorsamer ...". Einige junge Leute fanden, daß die Worte zwischen der ehrerbietigen Anrede und dem höflichen Schluß auch noch freundlicher sein könnten und gründeten nach englischer Weise einen Klub, dessen Mitglieder sich verpflichteten, sich keine Unhöflichkeit von Beamten gefallen zu lassen und jeden Brief zu unterzeichnen mit "und vergessen Sie nicht, Sir, Sie sind mein gehorsamer ..."

Ein Doktor der hohen philosophischen Fakultät an der Universität Bonn kriegte von der zuständigen Abteilung beim Kultusministerium in Düsseldorf die Nachricht: "Sie haben sich am 9. Februar um zehn Uhr zur Prüfung einzufinden ... gez. unleserlich." War das ein Ausnahmefall? Den Doktor jedenfalls ärgerte es. Er fand sich nicht ein und ist noch immer ungeprüft.

Aus Bayern erfahren wir, daß die beiden SPD-Abgeordneten Martin Hirsch und Günther Wolf einen Antrag eingebracht haben, wonach die Behörden angehalten werden sollen, ihre Briefe mit "Sehr beehrter Herr..." anzufangen und "Mit vorzüglicher Hochachtung" zu schließen, wie das unter höflichen Menschen schon lange üblich ist. Der Antrag hat gute Aussichten, angenommen zu werden. Ex Bavaria lux.