Pineaus "neue Linie": Bindeglied zwischen Ost und West zu sein, bezeichnete Außenminister Pineau als Frankreichs Aufgabe. Persönlich habe er schon lange in einem starken Gegensatz zur westlichen Außenpolitik gestanden. Der westlichen Politik fehle die einheitliche Linie, zudem habe sie die militärische Sicherheit zu sehr in den Vordergrund gestellt. Pineau und Mollet hoffen mit einer Aktivierung der großen Außenpolitik die Franzosen von ihren schweren Sorgen in Nordafrika abzulenken, außerdem wollen sie gut Wetter für ihre Moskaureise machen. Darüber hinaus aber spiegelt Pineaus "neue Linie" eine auch von anderen europäischen Sozialisten geteilte Hoffnung wieder, daß nach den versöhnlichen Erklärungen des großen kommunistischen Parteikongresses in Moskau der Zeitpunkt für nützliche Gespräche mit dem Osten günstig sei. Der Generalrat der sozialistischen Internationale in Zürich hat zwar das Einheitsfront-Angebot Moskaus deutlich zurückgewiesen, aber acht der achtzehn auf der Züricher Tagung des Generalrats versammelten sozialistischen Parteien haben Einladungen nach Moskau angenommen.

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Haas in Moskau: Bonns Botschafter Haas sagte bei seiner Ankunft in Moskau, er hoffe eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle großen Probleme zwischen dem deutschen und dem sowjetischen Volk gelöst werden könnten. Eine Liste mit den Namen von 1300 in Rußland zurückgehaltenen Deutschen wird er den zuständigen sowjetischen Stellen überreichen. Der Moskauer Botschafter der Sowjetzone, König, wurde von Pankow instruiert, mit Haas nicht über die Wiedervereinigung zu sprechen. Dies sei ausschließlich "Sache der beiden Regierungen".

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Eisenhower kandidiert: Präsident Eisenhower feilte offiziell mit, daß er sich für die kommende Präsidentschaftswahl zur Verfügung stellen weide. Der Republikanischen Partei ist damit ein Stein vom Herzen gefallen. Allerdings wird der Wahlkampf auch für Eisenhower kein Spaziergang sein.

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Nah-Ost: Auf Drängen nationalistischer Kreise entließ König Hussein von Jordanien den langjährigen englischen Befehlshaber der Arabischen Legion, Glubb Pascha. Auch fünfzehn andere englische Offiziere der Legion kehrten nach England zurück. Bei seiner Ankunft in London erklärte Glubb Pascha, er hoffe, daß die Bande zu Jordanien nicht geschwächt würden. Dennoch bedeutet sein Abgang eine diplomatische Niederlage Englands und eine Verschärfung der israelisch-arabischen Spannung. London und Washington wissen, daß sie unter Umständen Militär einsetzen müssen, um einen Krieg in Palästina zu verhindern, aber sie wissen nicht, wie Moskau darauf reagieren würde