Man kann verstehen, daß ein Land stolz auf einen olympischen Sieger ist, und daß die Begeisterung bei seiner Rückkehr groß ist. Der Rummel aber, den man nach den letzten Olympischen Winterspielen in aller Welt mit den Olympioniken trieb, und die vielen Spenden, mit denen nach Cprtina nicht nur die Sieger, sondern auch die Besiegten bedacht wurden, verstoßen so sehr gegen die olympischen Regeln und das olympische Amateurstacut, daß es endlich auch dem Präsidenten ds Internationalen Olympischen Comites zuviel wurde. Mr. Avery Brundage tut aber fast so, als hörte er von derlei Dingen zum erstenmal in seinem Leben. Hilflos bemerkte er dazu, daß er gegen diesen Unfug nur einzuschreiten vermag, wenn ihm offizielle Unterlagen darüber zur Verfügung gestellt würden. Glaubt er, daß das jemals der Fall sein wird? Wer von den heutigen Olympiateilnehmern ist noch ein Amateur im überlieferten Sinne? Sollen die Olympischen Spiele weiter. stattfinden, muß man die Statuten, auf jeden Fall die Amateurbestimmungen ändern.

Es ist eine große Lüge darin enthalten, alles un verändert zu lassen und weiter die vielfachen offensichtlichen Verstöße gegen die olympischen Regeln zu dulden, nur um die Durchführung der großen Weltspiele auf jeden Fall zu ermöglichen. Das nämlich ist klar: will ein Sportler mit Aussicht auf Erfolg an internationalen Wettkämpfen teilnehmen, muß er zwangsläufig und fortlaufend gegen das Amateurgrundgesetz sündigen. Mag es sich dabei um die finanzielle Unterstützung durch Verbände, um die Versorgung und Betreuung durch staatliche Stellen oder Hochschulen handeln oder um die Entsendung in Trainingslager, die nach den Vorschriften des lOCs nicht länger als vierzehn Sedeutung für Völkerfreundschaft und Verständi;ung unter den Nationen zu. Die Weltverbundenieit des Sports hat aber die Kriege nid verhinlert, Freundschaften hödistens von Mensch zu densch knüpfen lassen. Sportkämpfe haben im Gegenteil immer die nationalen Leidenschaften auf;epeitscht. Denken wir nur an die letzten Ausfälle ind Verdächtigungen der österreichischen Presse ;egen Deutschland (wegen der Wertung in den Eisaufwettbewerben von Cortina und Garmisch) jie vielfachen Proteste und Beschwerden und das ind jener Sportart. So sehr sich auch der lOC Präident darum bemüht hat: die Nationenwertung während der Spiele ist nicht aus der Welt zu schafen. Und was ist es mit der Behauptung Mr. Brunlages und seiner greisen Kollegen vom IOC: Jlympische Spiele haben einen großen erzieheriehen Wert? Die Meister, die auf ihnen gekürt werien, leuchteten als Vorbild den anderen Sporteuten voran? In der Praxis sieht das, wie wir aus iner Innsbrucker Meldung entnehmen können, olgendermaßen aus: "Der dreifache österreichische joldmedaillengewinner Toni Sailer wird wegen ingenügenden Trainings voraussichtlich nicht am Candahar Skirennen in Sestiere teilnehmen. Sailer nußte seit der Rückkehr aus Cortina dAmpezzo o viele Empfänge und Veranstaltungen zu seinen stiren, besuchen, daß er sein Training nicht fortsetzen konnte Jiier versagt die moderne olympische Idee. Was st eigentlich noch übriggeblieben von der großragen Konzeption Pierre de Coubertiris aus dem fahre 1894? Der Amateur, den er im Gegensatz zu dem Zirkusgladiator schaffen wollte, hat sich wieder in den Gladiator zurückverwandelt. Außerdem werden die internationalen Sportfeste, die nur dem Sjx>rt dienen sollten, häufig zu politischen und wirtschaftlichen Zwecken ausgenutzt. Sie sind ein ~Ädingt fortbestehen lassen muß. Es sei denn 3 man ;ibt den Spielen ihren ursprünglichen Zweck und "harakter zurück. W. F. Kleffel