Griechenlands Wirtschaft steht unter starkem Kosten- und Nachfragedruck

z., Athen, im März

Griechenlands Wirtschaft zeigte in den letzten Monaten im Bereich der Güterproduktion weiterhin steigende Leistungen. Dies gilt im begrenzten Rahmen für die Industrie, in erhöhtem Maße aber für die landwirtschaftliche Erzeugung. Das vermehrte Sozialprodukt war jedoch nicht ausreichend, um einerseits mit der erhöhten Steuerkraft den Staatsfinanzen die erforderliche Einnahmegrundlage zu geben und andererseits der gestiegenen Nachfrage ein entsprechendes Güterequivalent gegenüberzustellen. Das permanente Grundübel der griechischen Volkswirtschaft liegt in der mangelnden Produktionskraft, zu deren Überwindung die Regierung eine Reihe großer Aufbauvorhaben – wie das Braunkohlenprojekt von Ptolemais, ehe Ölraffinerie und u. a. Kraftwerke – in die Wege geleitet hat. Eine aktuelle Belastung der Wirtschaft stellen die in den letzten Monaten immer deutlicher zutage tretenden Auswirkungen der Abwertung der Drachme vom April 1953 in Form von notwendig gewordenen Gehalts- und Lohnerhöhungen, Steuerverschärfungen und Zollerhöhungen dar. Es kommt hinzu, daß die griechische Regierung durch besondere Umstände (Erdbeben) das Notenbankinstitut stärker als erwünscht in Anspruch nehmen mußte, wodurch der Notenumlauf, der ohnehin schon durch Sonderkredite an die Wirtschaft aufgebläht wurde, einen weiteren Auftrieb erhielt.

Die angedeuteten, auf einen inflationär wirkenden Kosten- und Nachfragedruck hinauslaufenden Faktoren werden von den verantwortlichen Ministerien und der griechischen Staatsbank mit größter Aufmerksamkeit beobachtet. Die griechische Regierung hat sich zur korrekten Befolgung der Kreditpolitik in das griechische Bankwesen eingeschaltet. Durch personelle Umbesetzungen der von ihr kontrollierten Kreditinstitute und Entsendung von Kontrollkommissionen in die wichtigsten Privatbanken soll erreicht werden, daß durch eine straffe, auf produktive Effekte abgestellte Kreditlenkung der inflationäre Druck aufgefangen wird.

Es wäre fehl am Platze, aus dieser innerwirtschaftlichen Situation etwa pessimistische Schlüsse ziehen zu wollen. Dazu geben die gegenwärtigen Verhältnisse keinen Anlaß.

Erhöhte Produktionsleistung

Nach vorläufigen Berechnungen wird das griechische Sozialprodukt 1955 um rd. 3,5 v. H. (Preisbasis 1951) höher liegen als in 1954. Die landwirtschaftliche Wertschöpfung überstieg das Vorjahrsergebnis um über 4. v. H. Bei Weizen rechnet man mit einer Mengensteigerung um 7 v. H., bei Tabak um 20 v. H. und bei Baumwolle sogar um 40 v. H. Verringerte Erträge werden bei Reis erwartet; das gleiche gilt für Wein (um rd. 5 v. H.). Bei Sultaninen ist ein höheres Produktionsergebnis als 1954 sicher. In Tabak und Baumwolle sind Ernten erreicht worden, wie sie Griechenland noch nicht erlebt hat. Die Agrarerzeugung ist für Griechenland bei einer Quote von etwa 37 v. H. am Sozialprodukt noch immer die bedeutendste Quelle der nationalen Wertschöpfung.