Eine für die westdeutschen Hausfrauen und auch für die Preisstabilisierungsbemühungen von Prof. Erhard erfreuliche Folgerung kann aus einer Indexberechnung des Internationalen Arbeitsamtes gezogen werden: In der Bundesrepublik sind die Verbraucherpreise seit 1953 weit geringer angestiegen als in den meisten anderen westeuropäischen Ländern. Sie haben bei uns (1953 = 100) Anfang dieses Jahres den Stand von 104 erreicht. In Italien, Holland und Norwegen ergab sich jedoch schon ein Verbraucherpreisindex von 106; in Schweden, Spanien, Österreich und Dänemark lag er bei 107, in Großbritannien bei 110, in Jugoslawien bei 113 und in Griechenland sogar bei 124. Lediglich in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und Luxemburg ergab sich mit 102 Punkten eine geringere Verbraucherpreiszunahme als in der Bundesrepublik. Sorgen wir also dafür, daß wir bei der nächsten Indexberechnung zur Gruppe der günstigsten Länder zählen.

Jetzt klagt auch die Solinger Schneidwarenindustrie über eine zu große Typenvielfalt ihres Sortiments. Obwohl die Industrie über steigende Umsätze und einen kontinuierlichen Auftragsbestand verfügt, sind die Erlöse vieler Firmen unbefriedigend und im Exportgeschäft zum Teil sogar unzureichend. Die Ursache wird auf die ungewöhnlich hohe Typenvielfalt und die noch immer unzureichenden Rationalisierungsmaßnahmen zurückgeführt. Auch bei dieser Industriegruppe spielt die mittelständische Struktur eine gewichtige Rolle: Für viele Kleinbetriebe ist die Anschaffung leistungsfähiger Maschinen noch immer zu kostspielig.

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Die in der vergangenen Woche in Bonn abgeschlossenen deutsch-jugoslawischen Schuldenverhandlungen waren auf deutscher Seite von dem Wunsch diktiert, die Bereinigung und Beruhigung der deutsch-jugoslawischen Beziehungen zu erreichen. Nur so ist es zu erklären, daß sich die Bundesrepublik bereit fand, an Jugoslawien zur Ablösung seiner Wiedergutmachungsforderungen einen Betrag von 300 Mill. DM zu zahlen. 60 Mill. DM sind darin in Form von Barleistungen einzelner deutscher Schuldner enthalten, 240 Mill. DM gehen für 99 Jahre als Warenkredit zins- und amortisationsfrei an Jugoslawien. Lediglich 20 v. H. der Kreditsumme sind für den Bezug von Konsumgütern vorgesehen.