Es dürfte nur wenige Bürger der Bundesrepublik geben, die eine Vorstellung von der Tätigkeit des "Bundesbeauftragten für die Förderung der Berliner Wirtschaft" (Dr. Gerd Bucerius MdB), haben. Aber sein Werk trat bereits vor Jahren in Erscheinung, als der Bundespräsident nicht weit vom Rhein den ersten Meilenstein enthüllte, der die Entferung bis zur deutschen Hauptstadt verkündete. Dieser Stein trug nicht nur eine nüchterne Zahl, sondern an der Seite auch einen kleinen, aufrecht und mit keck erhobener Nase einherschreitenden Bären, das verjüngte Wappentier Berlins.

Es bedurfte einer Unmenge langwieriger Kleinarbeit, bis dieser Bär zunächst einmal von den Berliner Produzenten als geeignet anerkannt wurde, als Herkunftszeichen für Westberliner Qualitätswaren zu gelten. Diese Vorbedingung für die Werbewirksamkeit des Wappentieres haben der Bundesbeauftragte und seine Mitarbeiter im Zusammenwirken mit der "Berliner Absatz-Organisation" (BAO) im Laufe des letzten Jahres geschaffen. Und neuerdings ist der Bär nun auch in den verschiedensten Erscheinungsformen zum Angriff auf die westdeutschen Käufer angetreten. In drei verschiedenen Ausführungen spricht er die Verbraucher allein auf 200 Millionen Streichholzschachteln an, in einer vierten Form auf Millionen von Streichholzbriefen.

Immer mehr Berliner Firmen gehen dazu über, den Bären wenn schon nicht auf der Ware selbst, so doch wenigstens auf der Verpackung als Herkunftszeichen zu verwenden, vom Kartönaufdruck bis zum Brandstempel für Überseekisten. Firmen der Berliner Damen-Oberbekleidungsindustrie, die wieder Weltruf genießt, binden den Bären in Plakettform als Anhänger an ihre Blusen, Mäntel, Röcke und Kostüme. Im Inseratenteil zahlreicher westdeutscher Zeitungen macht der Bär seit einiges Wochen von sich und seiner Heimat reden. Und in Bälde wird er auf Plakaten die Bewohner von fünfzig deutschen Großstädten unübersehbar darauf aufmerksam machen, daß es noch ein keineswegs von einer "überhitzten Konjunktur" erfaßtes Westberlin gibt, auf das sich die Deutschen nicht nur politisch, sondern gerade auch wirtschaftlich verlassen können. Eine dazu in Berlin stattfindende Ausstellung wird den Berlinern selbs: zeigen, auf wie viele Arten ihr Wappentier schon zum Botschafter und Fürsprecher ihrer Arbeit geworden ist.

Dieser aufrechte Bär ist kein Raubtier, das der westdeutschen Konkurrenz mit unfairen Mitteln die Kunden stehlen will. Er soll nur zu einem Teil mit dazu beitragen, den Berliner Erzeugnissen die gleichen Wettbewerbschancen zu geben wie der einheimischen. Je mehr Erfolg er hat, desto mehr wirkt er auch im Interesse der Bundesrepublikaner denn Berlin hat in den letzten Jahren bewiesen daß es nicht von Geschenken, sondern aus eiger Kraft leben will und kann. gns.