Die internationale Juristenkommission in Den Haag hat einen Bericht über "Das Gesetz im kommunistischen China" veröffentlicht, der in eindrucksvoller Deutlichkeit zeigt, welche überwältigende Macht die Kommunisten physisch und psychisch über jeden einzelnen Chinesen ausüben.

Verfasser des Berichts ist Pater André Bonnichon, ein katholischer Missionar, der 23 Jahre in China gelebt hat, davon fünf Jahre unter kommunistischer Herrschaft. Er war fünfzehn Jahre lang Dekan der juristischen Fakultät an der Aurora-Universität in Schanghai und wurde schließlich, nach elf Monaten Gefängnis, im April 1954 aus China ausgewiesen.

Die grundsätzlich wichtigste Feststellung ist diese: es gibt kein Gesetz in China – kein Strafgesetz und kein bürgerliches Gesetz. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – zum Beispiel einem Ehegesetz, dessen Formulierungen unklar und mißverständlich sind – gibt es nur den Willen der Regierung.

Als die Kommunisten 1949 in Schanghai einzogen, wurden die alten Gesetze allesamt für null und nichtig erklärt, gaben sie doch allein durch die Definition dessen, was "ein Verbrechen" ist, dem einzelnen Schutz gegen Übergriffe des Staates.

"Der neue Staat", hieß es dann, "hat nur das Glück der Massen zum Ziel. Der Staat und jeder, auch der kleinste Vertreter dieses Staates würde durch bestehende Gesetze nur daran gehindert, seine wohlwollenden Maßnahmen frei durchzuführen. Die Anweisung eines Beamten bedarf keiner gesetzlichen Grundlage. Sie ist Gesetz – denn aus ihr spricht die Stimme der Regierung."

Damit wird jede Verteidigung zu einem Aufbegehren gegen die Staatsmacht – also sinnlos. Den Angeklagten bleibt nichts anderes übrig, als ihre Verbrechen zu bekennen – auch wenn sie gar nicht wissen, was sie denn nun eigentlich verbrochen haben. Das zu wissen, wird besonders durch die vage Definition der Anklagepunkte erschwert. Sie lauten üblicherweise auf "Sabotage", "Feudalismus", "reaktionäre Bestrebungen" oder "antirevolutionäres Verhalten".

Als Pater Bonnichon zum erstenmal vor einen Richter gebracht wurde, fragte er ihn, was denn sein Verbrechen sei. "Sie haben hier keine Fragen zu stellen", antwortete ihm der Richter, "Sie haben sich anzuklagen. Die Regierung weiß, daß Sie schuldig sind."