Noch im Herbst schien es, als werde das Schlamm- und Schwefelbad Eilsen bei Bückeburg, das Mitte des vorigen Jahres von der britischen Besatzungsmacht endgültig geräumt wurde, in diesem Jahr seinen Kurbetrieb wieder in vollem Umfange aufnehmen können. Wir berichteten darüber (DIE ZEIT, Nr. 32 und Nr. 38/1955: "Der Fürst probiert’s"). Leider hat Fürst Wolrad zu Schaumburg-Lippe, dem die beiden größten Hotels und die Badeanlagen des Ortes gehören, inzwischen beschlossen, etwas anderes zu probieren. Und nur den Bemühungen des Eilsener Bürgermeisters Hofmeister und seiner kleinen Gemeinde wird es zu danken sein, wenn in dieser Saison wenigstens etwa fünfhundert stationäre Kurgäste Heilung von Rheuma und Frauenleiden finden werden.

Fürst Wolrad, der Badeahlagen und Hotels noch im Herbst erst für sechs, dann für fünf Millionen DM verkaufen wollte, hat dieses Angebot ganz zurückgezogen. Obwohl einem Fürsten noch lange nicht billig sein sollte, was einigen republikanischen Landesregierungen recht erscheint, hat er den Plan gefaßt, in Bad Eilsen eine Spielbank einzurichten.

Aber die Landesregierung von Niedersachsen denkt darüber anders, besonders, nachdem man von nordrhein-westfälischer Seite hat durchblicken lassen, daß man im Falle der Konzessionierung ebenfalls eine Spielbank gründen werde, und zwar in einem Badeort, der auf Grund seiner geographischen Lage die aus dem Ruhrgebiet kommenden Spieler abfangen würde, bevor sie noch Eilsen erreichen. Auf die Spieler aus Schweden, Dänemark, Hamburg und Holstein ist ohnehin nicht zu rechnen, da sie an Westerland und Travemünde gewöhnt sind. Vielmehr ist das Land Niedersachsen bereit, die Eilsener Pläne, den Kurbetrieb so schnell wie möglich wieder zu eröffnen, nach Kräften, auch durch die finanzielle Tat zu unterstützen, vielleicht sogar das Bad in staatliche Regie zu übernehmen.

Dieser Sachverhalt hat den Fürsten zu Schaumburg-Lippe bis jetzt jedoch nicht genügend beeindruckt, um sich von seinem Lieblingsplan zu trennen. Anscheinend wartet er zunächst einmal auf das im April stattfindende Volksbegehren, bei dem es um die Frage geht, ob Schaumburg-Lippe – basierend auf einem Gutachten des Luther-Ausschusses für die Korrektur der Ländergrenzen – ein selbständiges Ländchen werden oder beim Lande Niedersachsen verbleiben wird. Kommen im April, was durchaus möglich ist, 6000 Unterschriften für eine Trennung von Niedersachsen zusammen, so findet später ein Volksentscheid statt. Fiele dieser wieder zugunsten der Selbständigkeit Schaumburg-Lippes aus, so könnte Fürst Wolrad unabhängig von der Regierung in Hannöver mit dem Bund direkt über die Konzessionierung seiner Spielbank verhandeln. Da aber ein solcher Ausgang des Entscheides kaum zu erwarten ist, bedeutet die Standhaftigkeit des Fürsten für Eilsen nicht mehr und nicht weniger als eine verlorene Saison.

Bürgermeister Hofmeister ist zur Selbsthilfe entschlossen. Man will mehrere Beherbergungsbetriebe in Sanatorien umwandeln. Die Schwefelbäder, über die nur das fürstliche Badehaus verfügt, sollen durch Kneippanlagen ersetzt werden. Natürlich will das kleine, einstmals so beliebte Bad in einer Zeit hoher Bäderkonjunktur nicht auf das Geschäft verzichten, von dem seine knapp tausend Einwohner zu existieren gezwungen sind: P-n