In den Mittelpunkt der deutsch-französischen Verhandlungen über die Bedingungen für die Rückgliederung des Saargebietes entsprechend der Abstimmung vom 23. Oktober 1955 an Deutschland, wurde von französischer Seite eine Frage gerückt, die mit dem Verhandlungsgegenstand nicht zusammenhängt: die Kanalisierung der Mosel. Die Franzosen erzwangen dieses eigenartige Junktim unter Berufung auf ihre "starke juristische Position". Sie erklärten sich zu Verhandlungen nur unser der Voraussetzung bereit, daß sich die Bundesrepublik vertraglich zu der Kanalisierung der Mosel verpflichtet. Aus diesem uralten Wunsch der lothringischen Schwerindustrie ist mittlerweile (in französischer Mythos geworden. Man erklärt uns, keine französische Regierung könne es wagen, ihrem Parlament die Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland vorzuschlagen, ohne gleichzeitig den Vertrag über die Moselkanalisierung vorzulegen. Da die Saarfrage die Beziehungen der beiden Länder schwer belastet und immer wieder behindert, liegt es nicht nur im Interesse der beiden unmittelbar betroffenen Länder, sondern auch der anderen westeuropäischen Nationen, diese Quelle ständiger Differenzen ein für allemal zu verstopfen. Beide Partner werden für dieses Ziel Opfer bringen müssen. Aber diese Opfer dürfen den Gesetzen der wirtschaftlichen Vernunft nicht widersprechen. Zu dieser Problematik geben wir unseren Korrespondenten in Bonn und Paris das Wort.