Neben der italienischen Schauspielerin Anna Magnani als Hauptdarstellerin des Films "Die tätowierte Rose" nach Tennessee Williams (DIE ZEIT Nr. 6), wird Susan Hayward für ihr Spiel in dem Film einer Trinkerin "I’ll cry tomorrow" als Anwärterin für den "Oscar" genannt, die höchste Auszeichnung für Filmschauspieler.

New York, im März

Während der Antirauschgift-Film "Der Mann mit dem goldenen Arm" (ZEIT Nr. 5) noch in vielen Kinos läuft und "Come back, little Sheba" (Nr. 20/1955) noch nicht vergessen ist, wieder ein Belehrungsfilm: "I’ll cry tomorrow" ("Morgen werde ich weinen", vornehmere Fassung für "Katzenjammer"), von Goldwyn-Mayer gedreht nach dem autobiographischen Erfolgsroman von Lillian Roth, einer bekehrten und bekehrungseifrigen Alkoholikerin. Das Buch war in der Tat mitunter sogar erschütternd durch seine im besten ethischen Sinne schamlose Aufrichtigkeit, seine scharfsinnige Selbstkritik und seinen kämpferischen Mut in der Erörterung sozialer, hygienischer, medizinischer Um- und Mißstände. Der Film hat in Susan Hayward eine Darstellerin gefunden, die für alle Rausch- und Reuezustände, für Schwäche, Ekstase, Bitterkeit, Depression und Selbstüberwindung eine ganze Skala überzeugender Nuancen aufbietet. Nur daß dies alles ein wenig zu gekonnt wirkt. Fehlende Mutterliebe wie zwei Ehe-Enttäuschungen sind im Buch wie im Film die Antriebsmotive zum Trinken. Der Film, notgedrungen zeitlich verknappend und zu optischer Schaustellung entscheidender seelischer Momente gezwungen, ermangelt aber der überzeugenden Beweisführung von der Unumgänglichkeit des "Immertiefergleitens". Es ist, mit einem Wort, ein seelischer und im Grunde klinischer Prozeß umgesetzt in eine Schauspielerleistung. Das bravouröse "unschöne" Spiel der Hayward und die saubere und beherrschte Linie der Spielleitung (die Daniel Mann innehatte, ein subtiler Fachmann für intimere Leidenschaftswirkungen) sind bemerkenswert. Ludwig Ullmann