Auf "höchster Ebene" wird die Einführung von allgemeinen Geschwindigkeitsbeschränkungen diskutiert. Lastwagen, Personenautos und Motorräder sollen künftig in Stadtgebieten, auf Landstraßen und sogar auf den Bundesautobahnen nur noch bestimmte Höchstgeschwindigkeiten fahren dürfen. Erhofft wird eine (durchaus erstrebenswerte) Verringerung der Verkehrsunfälle.

Von einer solchen Geschwindigkeitsbeschränkung wird schon seit dem Zeitpunkt gesprochen, an dem die Verkehrsbeschränkungen aufgehoben wurden. Doch die Behauptung, die Verkehrsunfälle seien lediglich auf die "Raserei der Autos und Motorräder" zurückzuführen, kommt entweder aus Kreisen, denen Kraftfahrzeuge ein Dorn im Auge sind, oder stammt aus Quellen, die aus amtlichen Gründen Unfallstatistiken auswerten. Nun war aber das Auswerten von Statistiken seit jeher eine heikle Angelegenheit. Und gerade bei der Unfallstatistik ist man noch heute gezwungen, große Fragezeichen zu machen, wenn man die eigentlichen Unfallursachen ergründen will.

Wie sehr man gerade Statistiken über Unfallursachen mißtrauen muß, wies vor einiger Zeit die neuerrichtete "Dokumentationsstelle für Verkehrsregelung und Unfallverhütung im Verkehr" treffend nach. Sie zeigte, daß in der Unfallursachen-Statistik die wirklichen Ursachen meist gar nicht erscheinen, auch gar nicht erscheinen können, sondern im wesentlichen nur die Unfallanlässe zu ersehen sind. Von einem Nachweis der tatsächlichen Unfallursachen kann erst dann gesprochen werden, wenn sich nicht nur ergibt, daß z. B. in soundsoviel Fällen die Verletzung der Vorfahrt zu einem Unfall geführt hat, sondern auch, warum in diesen Fällen die Vorfahrt verletzt worden ist. Für die Bewertung der Anlässe sowie der Ursachen der Unfälle sind nach Ansicht der "Dokumentationsstelle" die notwendigen Grundlagen für die Unfallverhütung noch nicht geschaffen.

Das beste Beispiel dafür dürfte die Diskussion über die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen sein, der sich einsichtvolle und moderne Polizeiverwaltungen mit Nachdruck verschließen. Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge ist jedenfalls die Möglichkeit nicht auszuschließen, daß weniger ins Gewicht fallende Ursachen und Anlässe überbewertet, bedeutsamere dagegen erheblich unterbewertet werden. I. D.