Da die Erhöhung des Diskontsatzes bereits seit mehreren Wochen erwartet worden war und die Auswirkungen schon vorher in den Kursen berücksichtigt wurden, ging die Verkündung der Diskonterhöhung in den Börsen ohne Reaktion vorüber. Wenn in der Vorwoche noch ein Druck auf die festverzinslichen Werte eingetreten ist, dann geht er auf die Geldbeschaffungsrealisationen zurück, die im Hinblick auf den großen Steuertermin am 10. März notwendig geworden sind. Seit Wochenbeginn verzeichnen die hochprozentigen Industrieobligationen bereits wieder steigende Kurse; die leichte Entspannung des Geldmarktes schlug sich also relativ rasch im Börsengeschäft nieder. Auch bei den Aktien ist die Bahn offensichtlich freier geworden. Die sich jetzt häufenden guten Abschlüsse der Industriegesellschaften und der Banken in Verbindung mit dem gegenwärtigen Kursniveau hat einige Orders der Privatkundschaft herausgelockt, die im Hinblick auf sich ergebende günstige Chancen Mittel disponibel gehalten hatte.

Im Mittelpunkt des Börsengeschäfts der vergangenen Woche stand das Bezugsrecht der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, dessen Notiz in mancherlei Hinsicht überrascht hat. Am ersten Notierungstag hat Krages – wie man wahrscheinlich zu Recht vermutet – erhebliche Aktienposten auf sich gezogen, um den Aktienkurs heraufzudrücken (zeitweise auf 160 v. H.) und damit einen möglichst hohen Bezugsrechtkurs zu erhalten. Da das Bankenkonsortium die rechnerische Parität des Bezugsrechtes garantiert hatte, gab es demzufolge Notizen, die zwischen 5 1/2und 5 3/4 v. H. lagen. Zu diesem einigermaßen ansehnlichen Kurs – so war in den Börsensälen zu hören – soll Krages seine Bezugsrechte am gleichen Tage verkauft und damit einen schönen Gewinn erzielt haben. Am 2. und 3. Notierungstag war das Geschäft in Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien und Bezugsrechten wesentlich stiller. Der Kurs fiel auf 153 1/2 bzw. 151 v. H. zurück. Das Bankenkonsortium – und das war eine weitere Überraschung – setzte dann den Bezugsrechtkurs mit 5 1/4 bzw. 5 v. H. über Parität an. Ein großer Teil der Aktionäre hat keine jungen Aktien bezogen.

In Erwartung einer Kapitalerhöhung (und’ vielleicht auch einer Dividende, die über 8 v. H. liegt) wurden Mannesmann zu steigenden Kursen (183 – 187) gekauft Auch Klöckner lagen in den letzten Tagen fester. Im übrigen ergaben sich bei den Montanen Schwankungen nach beiden Seiten.

Das Geschäft in den IG-Farben-Werten wickelte sich auf Basis der bisherigen Bewertungen ab. Bemerkenswert behauptet blieben die IG-Farben-Liquis. – Gerüchte sprachen zeitweise von einem Interesse der Farbwerke Hoechst an Riedel de-Haen, wo bereits eine Verbindung mit Cassella besteht. Der Riedel de-Haen-Kurs wurde bis 190 heraufgesetzt, fiel in den letzten Tagen jedoch wieder auf 185 v. H. ab. Mehrheitskäufe bestimmten auch den Kurs für das Warenhauspapier Jacobsen (bis 119 3/4). Das Unternehmen führt Verhandlungen mit der Hörten-Gruppe, die einen Pachtvertrag mit der Kieler Gesellschaft anstrebt, der ein Übernahmerecht vorsieht. Da der bisherige Großaktionär nur über knapp die Hälfte des 2,26 Mill. DM betragenden AK verfügt, sind Zukäufe wahrscheinlich. Für 1954 und 1955 stehen die Abschlüsse noch aus. Hoffnungen gehen auf eine Dividende von 6 v. H.

Der starke Anstieg der Kurse der Deutsche Bank-Nachfolger ist auf Erwartungen zurückzuführen, die auf ein weiteres günstiges Bezugsrecht hinzielen. Mit einer Bestätigung ist erst nach den AR-Sitzungen der Gruppe zu rechnen. Die Nordd. Bank zog in der vergangener Woche von 240 1 /2 auf 253 v. H. an. Auch die übriger Nachfolgeinstitute der Großbanken weisen Kursgewinne auf. Die Veröffentlichung ihrer Abschlüsse ist teilweise für nächste Woche vorgesehen. Von den Elektroversorgungsinstituten wurden HEW längere Zeit vernachlässigt Der Kurs fiel auf 153 1/2 (158) zurück. Die Kleinaktionäre hatten auf der HV konkrete Angaben über die Kapitalerhöhung erwartet und sind über das Verhalten des Großaktionärs (Hansestadt Hamburg) auf der HV verstimmt.

Kaliwerte konnten sich um die Wochenwende etwas erholen. Der Kurs der Dt. Erdöl AG blieb bei 165 3/4 ziemlich stabil. Auswirkungen des Schadenfeuers, das im Bereich der Produktionsstätten der Gesellschaft stattgefunden hat, waren auf den Kurs nicht zu verzeichnen, weil erstens der Schaden voll durch Versicherungen gedeckt wird und zweitens Störungen im Produktionsgang nicht eingetreten sind.

In Börsenkreisen drängt man auf die Börseneinführung der 5 1/2prozentigen Lastenausgleichsanleihe von 1955 und der 5 1/2prozentigen Anleihe der Bundespost von 1955 Bei der ersten war der Ausgabekurs. 97 v. H., bei der zweiten 98 v. H. Da der marktgerechte Kurs heute etwa 5 Punkte unter den Emissionskursen liegt, gestaltet sich der Börseneinführungskurs zu einem heiklen Problem. Das Bankenkonsortium fordert eine aktive Kurspflege zum Schutze des öffentlichen Anleihekredits. Bei einem zu hohen Einführungskurs besteht andererseits die Gefahr, daß die in der Kundschaft placierten Stücke samt und sonders auf den Markt kommen werden. -ndt