Genf, im März

Eine Vorzugsstellung verpflichtet. Und Deutschland nimmt auf dem Schweizer Markt eine Sonderstellung ein, wie es die nachstehenden Zahlen beweisen:

so ist es erklärlich, daß die deutsche Industrie in ganz erheblichem Maße an dem 26. Genfer Autosalon beteiligt ist. Unter den 76 Personenwagen? marken findet man – die Kleinstautos mit eingeschlossen – 13 deutsche Fabrikate (BMW, Borgward, DKW, Fuldamobil, Ford, Goliath, Heinkel, Lloyd, Mercedes-Benz, Messerschmitt, Opel, Porsche und VW), von den 73 ausstellenden Nutzfahrzeugfirmen stammen 22 aus dem Bundesgebiet (Ackermann, Blumhardt, Borgward, Büssing, DKW, Eylert, Ford, Goliath, Hanomag, Harmening, Henschel, Kässbohrer, Lloyd, Magirus-Deutz, MAN, Mercedes-Benz, Metz, Opel, Tempo, Unimog, VW und Westphalia); ferner befinden sich (unter 63 Zweiradmarken) 22 Motorradfirmen Westdeutschlands (Adler, Ardie, Bismarck, BMW, Bücker, DKW, Dürkopp, F & S, Göricke, Heinkel, Hercules, Hoffmann, Kreidler, Maico, Mars, NSU, Steib, TWN, Victoria und Zündapp). Ganz zu schweigen von den vielen Firmen der Teile- und Zubehörindustrie: außer Bosch, Freudenberg, Hazet, Herberts, Hoesch-Stahl, Golde, Kugelfischer, Becker-Radio, Mann & Hummel, Teves und Webasto mit eigenen Ständen noch eine ganze Reihe vertreten durch die Schweizer Importeure.

Die deutschen Modelle sind samt und sonders bekannt, so daß es sich erübrigt, auf diese näher einzugehen. Nur soviel sei gesagt, daß sie – sonst wäre ihnen dieser beispiellose Erfolg kaum beschieden – nicht nur qualitativ auf der Höhe, sondern auch im Preis international konkurrenzfähig sind.

Der Salon bietet allerdings – auch im ganzen gesehen – wenige Neuerungen, da die Firmen, die neue Typen präsentieren können, diese (einer besseren Publicity wegen) schon Wochen vor dem Salon der Presse zugänglich gemacht hatten. Das gilt für Renault mit der "Dauphine" und auch für Fiat mit der "Multipla".

Über eine große Reihe von 1956er Typen der Amerikaner kann man ruhig zur Tagesordnung übergehen, da sie nur Routineverbesserungen aufweisen, und in ihrer Außenform eher einen Rück- denn einen Fortschritt darstellen. Mit Ausnahmen natürlich, denn das "Corvette"-Sportcoupé von Chevrolet, der "Thunderbird" von Ford und der "Continental II" von Lincoln gehören fraglos zu den geschmacklich erfreulichsten Dingen dieser Schau, die an Sonderkarosserien (besonders der Italiener) nicht arm ist. So kann man den kleinen Fiat 600 bis in eine Preisklasse von 16 000 Francs verfolgen! Im übrigen hat sich Pinin Farina an einen 300er Mercedes-Benz herangewagt, ohne eine Lösung zu finden, die seinem Weltruf entsprechen würde.

Unter den kleinsten der Kleinen finden sich einige neue Typen. Heinkel stellt ein 175-ccm-Dreirad-Coupé (Vorderwand als Tür ausgebildet, sichtlich der Idee nach auf den Hoffmann-Kabinenroller zurückzuführen) der BMW-Isetta entgegen, Fuldamobil tritt neben dem Messerschmitt-Kabinenroller in den Wettbewerb, der kleine Brütsch erscheint unter dem Namen Belcar als Schweizer Nachbautyp, und unter dem Markennamen Isard verbirgt sich die Schweizer Lizenz des Goggomobil. Ein Schweizer Ingenieur namens Salzmann führt einen Prototyp in Gestalt der "Soletta" vor. Ob das wenig hübsche, konstruktiv allerdings recht einfache Fahrzeug jemals in die Serie gelangen wird, ist noch sehr fraglich. Sehr viele Typen, darunter auch manche Neuerung, sind ebenfalls in der Motorradabteilung des Salons zu sehen. St. v. Szénásy