Nachdem ich bereits im Juli des vergangenen Jahres Äußerungen Ihres Berliner Korrespondenten G. Gnieser zur Frage der Entflechtung des Ufi-Vermögens richtigstellen mußte, sehe ich mich leider wiederum veranlaßt, die unzutreffenden Darstellungen des gleichen Mitarbeiters in Ihrer Ausgabe vom 23. Februar 1956 unter der Überschrift "Verwickelter Entflechtungsfilm bei der Ufa" wenigstens in ihren hauptsächlichen Äußerungen zu berichtigen:

Herr Gnieser behauptet, daß ich als Liquidator des ehemaligen reichseigenen Filmvermögens meinen letzten Besuch in Berlin sicher gern unterlassen hätte und daß ich es sicherlich vorgezogen hätte, dem Berliner Abgeordnetenhaus keine Auskunft über den Stand der Entflechtung und Reprivatisierung des Ufa-Komplexes zu geben.

Von dem Dringlichkeitsantrag der SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses auf Auskunfterteilung über den Stand der Ufi-Entflechtung und Reprivatisierung, der am 14. Februar zur Verhandlung stand, habe ich erstmalig am 10. Februar Kenntnis erhalten Ich habe daraufhin sofort dem Senator für Wirtschaft und Kredit in Berlin das Angebot gemacht, daß die beiden Liquidatoren gern bereit seien, nach Berlin zu kommen, um Fragen der Abgeordneten zu beantworten. Meine Anregung führte am 11. Februar zu einer Einladung des Senators für Wirtschaft und Kredit, Herrn Dr. Hertz. Ich habe den Eindruck, daß die mehr als zweistündige Aussprache in Berlin nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, falsche Vorstellungen zu berichtigen und die Verhältnisse zu klären. Dieser Eindruck ist mir sowohl von amtlichen als auch von sonstigen Stellen in Berlin mehrfach bestätigt worden.

Für den Verkauf des Ufi-Vermögens ist nicht die Genehmigung des Berliner Stadtparlaments oder irgendeines anderen deutschen Parlaments notwendig – wie Gnieser es unterstellt –, sondern ausschließlich die Zustimmung des Abwicklungsausschusses des ehemals reichseigenen Filmvermögens, der aus einem von der Bundesregierung ernannten Vorsitzenden, Vertretern von fünf Bundesministerien, sechs Länderministerien und aus vier beratenden Mitgliedern besteht. Um eine Zustimmung zum Verkauf von Vermögensteilen der Ufi zu bekommen, wäre also mein Besuch in Berlin nicht notwendig gewesen. Damit entfallen auch alle von Ihrem Mitarbeiter in diesem Zusammenhang gezogenen Schlußfolgerungen.

Die Behauptung Ihres Mitarbeiters, daß ich entgegen meiner eigenen Überzeugung "den Berliner Abgeordneten ein ganzes Bukett von gewichtigen ,berlinfreundlichen‘ Voraussetzungen bieten konnte, an die der Verkauf der Berliner Anlagen geknüpft ist", ist dadurch zu widerlegen, daß dieses "Bukett" bereits am 5. Mai 1955 im Abwicklungsausschuß in Berlin mit auf meine eigenen Anregungen hin beschlossen und in dem Prospekt über die Berliner Ufa-Anlagen AG vom 28. Juni 1955 bereits enthalten ist.

Ich habe nicht "zuzugeben" brauchen, daß im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller westdeutschen Filme in Berlin hergestellt worden seien. Diese Feststellung ist nicht von mir, sondern von anderer Seite in der Sitzung gemacht worden. Ich habe mich darüber gefreut, weil ich aus politischen wie wirtschaftlichen Gründen die Erhaltung und Stärkung Berlins als Filmzentrum immer für richtig und wichtig angesehen habe.

Ich habe auch nicht behauptet, daß "die Berliner Ufa-Anlagengesellschaft bis Ende März 1956 an den neuen Mann bzw. an die neue Gruppe zu bringen sei", vielmehr ausgeführt, daß eine wichtige Interessentengruppe die Absicht geäußert habe, die Verkaufsverhandlungen bis Ende März abzuschließen. Der Wunsch des Ufi-Abwicklungsausschusses wie der Liquidatoren ist einhellig der, den Verkauf der wichtigsten Komplexe des Ufi-Vermögens so bald wie möglich abzuschließen. Es hängt aber auch in diesem Falle nicht ausschließlich vom Willen des Verkäufers ab, ob ein Geschäft schneller oder langsamer zum Abschluß kommt. – Die jetzigen Interessenten als