Frankreichs führendes Automobilwerk, die Régle Nationale des Usines Renault, hat als Überraschung für den westeuropäischen Käufer zum Genfer Automobilsalon einen neuen Kleinwagen auf den Markt gebracht und ihn auch schon über die in Köln ansässige .Renault Automobil-Gesellschaft für Deutschland mbH" dem deutschen Käuferpublikum vorgestellt. Der Name für dieses jüngste Renault-Modell wurde mit französischem Charme ausgesucht:"LaDauphine" – die Kronprinzessin; und man muß wissen, daß an der Seine grundsätzlich alle Automobile weiblichen Geschlechts sind, was zweifellos wiederum eine Sache des Charmes (und der besseren Verkaufschancen!) ist...

Die Gerüchte, daß Renault einen neuen Kleinwagen mit den Vorzügen eines Mittelklasse-Fahrzeugs auf den Markt bringen will, tauchten bereits vor mehr als zwei Jahren auf. Nun ist er da, und wenn nicht alles täuscht, hat die "Dauphine" die nicht ganz leichte Aufgabe, der "königlichen" Erfolgskurve des Wolfsburger Volkswagens vor allem auf den führenden europäischen VW-Exportmärkten eine Konkurrenz zu sein. Ob dies in der Tat gelingt, muß die französische "Kronprinzessin" allerdings erst noch beweisen. Wenn man lediglich vom Preis ausgeht (Limousine ab Grenze 5480 DM, mit Schiebedach 5680 DM), bestehen sicher nur geringe Chancen. Trotzdem aber dürfte es bereits heute feststehen, daß die verstaatlichten Renault-Werke, die im vergangenen Jahr mit 227 685 Fahrzeugen 35 v. H. der französischen Automobilproduktion bestritten, mit der "Dauphine" sich für die nächsten Jahre durchaus einen Verkaufsschlager auf das Montageband gelegt haben.

In den Konstruktionsbüros von Billancourt ging man von der Feststellung aus, daß in Westeuropa die Käufer zu 15 v. H. Kleinwagen, 35 v. H. Mittelklasse-Wagen mit einem niedrigen Preis, zu ebenfalls 35 v. H. Mittelklasse-Wagen mit einem mittleren Preis und nur zu 15 v. H. große Wagen mit entsprechend hohen Preisen erstehen. Und so wurde die "Dauphine" schließlich entwickelt, die nach den Plänen ihrer Väter mindestens 50 v. H. des Marktes decken soll.

Diese Voraussetzungen erfüllt das neue Renault-Erzeugnis zweifellos. Es bringt keine umwälzenden technischen Neuerungen, aber doch eine Fülle von Vorzügen, die bislang selten in einem Klein- oder Mittelwegen vereint anzutreffen sind. Da ist zunächst der nach dem neuesten Stand der Technik gebaute 4-Zylinder-Heckmotor mit seinem Hubraum von 845 ccm und 30 PS. Er gestattet dem Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h. Der Treibstoffverbrauch wird mit 6,5 1 je 100 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h angegeben. Sympathisch ist, daß der Brennstoffbehälter 32 l faßt und demnach für rund 450 km ausreicht. Anerkennung verdient der Komfort: vier Sitze, vier Türen, ein großes Sichtfeld, hervorragende Federung und ein überraschend geräumiger Kofferraum. Das Reserverad ist übrigens in einem besonderen Fach hinter dem abklappbaren Nummernschild untergebracht, womit also das immer lästige Gepäckrangieren bei einem Reifenwechsel wegfällt

Auch äußerlich verfügt die "Dauphine" mit ihrer Stromlinienform über sehr viel Charme, zudem hat sie eine treffliche Straßenlage und eine ideale Wendigkeit. In Billancourt ist man besonders darauf stolz, daß dieses Fahrzeug nicht etwa aus einem bestehenden Modell umgestaltet, sondern völlig neu entwickelt worden ist. Im Produktionsprogramm des Unternehmens steht die "Dauphine" zwischen der kleinen "4 CV" und der größeren "Fregate". Man hat sich ganz bewußt schon jetzt auf eine Großserie vorbereitet, zumal festzustehen scheint, daß die "Dauphine"-Produktion dieses Jahres von den französischen Käufern recht zügig abgenommen werden wird. ww.