Um eine Verfassung für den einen der beiden britisch-indischen Nachfolgestaaten, Pakistan, ist acht Jahre lang erbittert gerungen worden. Es ging dabei vor allem um die politische Gleichberechtigung der beiden Teile Pakistans, die durch indisches Staatsgebiet voneinander getrennt sind. Obwohl in Ostpakistan mit seinen 42 Millionen Bengali sprechenden Einwohnern sechs Millionen Menschen mehr leben als in Westpakistan, wo Urdu gesprochen wird, und obwohl Ostpakistan mit seinem Jute-, Tee- und Holzexport der größere Devisenverdiener ist, hat Westpakistan eine von dem östlichen Landesteil als so unerträglich empfundene Vorherrschaft ausgeübt, daß der Staat manchmal auseinanderzubrechen drohte. Der Ausgang der Kommunalwahlen in Ostpakistan, bei denen die bis dahin herrschende Moslemliga von der oppositionellen "Vereinigte Partei" vernichtend geschlagen wurde, zeigte der Zentralregierung, in der nur Mitglieder der Moslemliga vertreten waren, die Größe dieser Gefahr. Die Folge war eine Kursänderung in Karatschi, die schließlich dazu führte, daß der Gesetzgebenden Versammlung eine Verfassung vorgelegt werden konnte, wonach West- und Ostpakistan als örtlich autonome Teile in einem Bundesstaat zusammengeschlossen sind, dessen Regierungsämter von gleichberechtigten Vertretern beider Landesteile paritätisch besetzt werden. Die Sprachenfrage wurde in der Weise geregelt, daß in Ostpakistan Bengali und in Westpakistan Urdu die offiziellen Sprachen bleiben. Daneben wird für eine Übergangszeit von zwanzig Jahren in beiden Landesteilen Englisch als offizielle Sprache anerkannt. Es gibt also jetzt neben der Zentralregierung zwei Provinzregierungen, eine für West- und eine für Ostpakistan.

Die Gegensätze traten noch einmal bei den Beratungen über den im Verfassungsentwurf vorgeschlagenen Namen "Islamische Republik Pakistan" schärfer in Erscheinung. Der Antrag einer aus Hindus und Christen zusammengesetzten Minderheit, das Wort "Islamisch" fortzulassen, wurde ebenso mit großer Mehrheit abgelehnt. Generalgouverneur Iskander Mirza verstand es aber, die Sorgen und Bedenken der Hindu-Minderheit dadurch zu mildern, daß er bei Unterzeichnung der Verfassung erklärte: "Ich übernehme persönlich die Verantwortung für Wohl und ihre Sicherheit meiner Hindu-Brüder." Mit dem Wort Republik wollen die Pakistani unterstreichen, daß die Zeiten der britischen Herrschaft zu Ende sind. Pakistan ist kein Dominium mehr, aber es verbleibt Mitglied des Commonwealth. Ernst Krüger