Rheinstahl steht heute stärker da, als jemals in seiner Geschichte, stellte der AR-Vorsitzer, Dr. Ernst von Waldthausen, zu Beginn der 75. HV in der 85jährigen Geschichte des Unternehmens fest, obwohl die Gruppe noch keineswegs in ihrer Konzentration und wirtschaftlichen Verbundentwicklung am Ende ist. Im Gegenteil! Nachdem die oHV der Rheinische Stahlwerke, Essen, vom 9. März einstimmig, also auch mit den Stimmen des bis dahin gegen Rheinstahl prozessierenden Aktionärs Hermann D. Krages, die Neufestsetzung des Aktienkapitals von RM auf DM im Verhältnis 1 : 1,4 auf 240,24 Mill. DM und die Bilanzen bis 31. Dezember 1953 genehmigt hatte, beginnt erst die eigentliche Konzernentwicklung.

Nach außen hin wurde sie durch die im Oktober letzten Jahres erfolgte Ausweitung des Vorstandes auf acht Mitglieder vorbereitet. Dr. Ernst von Waldthausen stellte seinen Aktionären die neu hinzugekommenen Verwaltungsmitglieder nicht nur persönlich vor, sondern gab von ihnen auch einen kurzen Abriß ihres Werdegangs, vor allem ihrer Zugehörigkeit zu Rheinstahl-Firmen. Diese persönliche Art trug wesentlich dazu bei, daß die HV einen nicht nur friedlichen, sondern auch glatten Verlauf nahm.

Der Vorsitzer des Vorstandes, Dipl.-Kaufmann Werner Söhngen, hatte vor den Abstimmungen einen unseren Lesern aus den bisherigen Veröffentlichungen bekannten Überblick über die Ereignisse seit der Oppositions-HV vom 1. Dezember 1954, über die anschließenden Prozesse und über die vom Gesetzgeber zwischenzeitlich geänderten Bilanzierungsgesetze und damit zugleich die Begründung der neuen Bilanzen gegeben. Die HV beschloß alles einstimmig, mithin auch die 6 v. H. Dividende für 1953 und vernahm mit Beifall, daß im Juli die Abschlüsse für 1954 und 1955 mit ebenfalls je mindestens 6 v. H. zur Genehmigung kämen, so daß die Aktionäre im Kalenderjahr 1956 auf ihr erhöhtes Nominalkapital insgesamt 18 v. H. Dividenden erhalten.

Rheinstahl geht nunmehr an den technischen und wirtschaftlichen Verbund zwischen seinen Töchtern und Beteiligungen bzw. an eine unmittelbare produktionelle Substantiierung der Dachgesellschaft. Die Holding besitzt 100 v. H. der Arenberg Bergbau-GmbH, Essen, die mit über 5 Mill. t Jahreskohlenförderung den Kohle- und Koksbedarf der Gruppe im Werkselbstverbrauch deckt. Von den "Konzentrationsobjekten", also von der Rheinstahl-Union Maschinen- und Stahlbau AG, Düsseldorf (mit Hanomag, Nordseewerke, Eisenwerk Wanheim, Dortmunder Union, Stahlbau Eggers u. a. m.), von der Ruhrstahl AG, Hattingen, und der Gießereiholding, der Rheinisch-Westfälische Eisen- und Stahlwerke AG, Mülheim/Ruhr, hat Rheinstahl jetzt praktisch mehr als die 3/4 HV-Mehrheit, was auf künftige Transaktionen schließen läßt. Bei der Dynamit-AG vorm. Alfred Nobel & Co, Troisdorf, ist Rheinstahl mit 31,5 v. H., an der Gußstahl Witten AG mit 30 v. H. und an der Handelsunion AG mit über 25 v. H. beteiligt. Diese Zusammensetzung des Portefeuilles aus Kohle, Eisen, Chemie und Handel (Joseph Schürmann GmbH, Duisburg) deutet an, in welcher Richtung die angekündigten weiteren Maßnahmen zur Verbundverstärkung zu erwarten sein werden.

Die oHV wählte an Stelle von Bergassessor a. D. Paul Stein den AR-Vorsitzer von Rheinwesteisen, Dr. h. c. Heinrich Dinkelbach, ferner Bergwerksdirektor i. R. Walter Winkler neu in den AR, aus dem durch Tod Staatssekretär a. D. C. C. Schmid ausgeschieden war. r l t.

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Zehn Jahre "Elbeo-Werke" in Westdeutschland. Für die Elbeo-Werke GmbH, Augsburg-Mannheim-Kiel, jährte sich am 8. März zum zehnten Male der Tag, an dem die Elbeo-Westgründung (damals noch unter der Firma "Süddeutsche Wirkerei und Strickerei GmbH") in das Handelsregister beim Amtsgericht Augsburg eingetragen wurde. In den zurückliegenden zehn Jahren hat Elbeo-West, das erste in Westdeutschland nach dem Kriege errichtete Unternehmen der Strumpfwirkerei, sich eine führende Stellung in der westdeutschen Textilindustrie erworben. In den Werken werden rund 1700 Arbeitskräfte beschäftigt, das sind etwa 10 v. H. aller in der westdeutschen Strumpfwirkerei tätigen Personen.