Bei der Siemens & Halske AG, München, ist auf die seit langem diskutierte zweite Kapitalerhöhung nicht verzichtet worden; sie wurde nur auf eine Zeit verschoben, in der der Kapitalmarkt wieder ergiebiger, geworden ist. Diese Mitteilung machte Dr. Hermann von Siemens, der sein Amt als Vorsitzender des Siemens-AR jetzt in jüngere Hände gelegt hat, auf der HV in München. Die gewaltige Aufbauleistung in der Siemens-Gruppe war nur durch Übernahme einer langfristigen Schuldenlast möglich; für die Durchführung neuer Aufgaben muß der Kapitalmarkt in Anspruch genommen werden. Ein solcher Schritt setzt aber ein gewisses Maß an Kurspflege voraus. Die größeren Gesellschaften haben das offensichtlich schneller erkannt als manches, kleinere Unternehmen, das über die berechtigten Interessen seiner Eigentümer (nämlich der Aktionäre) heute noch leichtfertig hinweggeht. Die eingehende Behandlung dieser Frage durch die Siemens-Verwaltung beweist, welches Gewicht der Konzern der Aktionärspflege zumißt.

Bei einem Unternehmen, das in scharfem internationalem Wettbewerb steht, seinen Aufbau noch keineswegs in allen Phasen als beendet ansehen muß und das im Kriege sowie in den Jahren danach schwer geblutet hat, ist eine Dividende von 9 v. H. recht stattlich. Zu berücksichtigen ist ferner, daß die 9 v. H. auf das erhöhte Kapital gezahlt werden, obwohl die jungen Aktien erst im April 1955 eingezahlt wurden. Die Aktien sind zudem zu pari ausgegeben worden, so daß sich für die Aktionäre effektiv ein höherer Bruttoertrag als 9 v. H. ergibt. Daß die Ertragslage eine noch bessere Ausschüttung zugelassen hätte, steht wohl ohne Zweifel. Aber ob zum jetzigen Zeitpunkt eine Stärkung der Reserven für den Aktionär nicht dienlicher ist, sollten die Kritiker ernsthaft erwägen.

Obwohl es für eine Verwaltung stets heikel ist, sich zum Börsenkurs der Aktien ihrer Gesellschaft zu äußern (sie gerät leicht dabei in Verdacht, auf dem Kapitalmarkt "guten Wind" machen zu müssen), hat Dr. von Siemens in erfreulicher Offenheit die Gedanken der Geschäftsleitung in diesem Punkt dargelegt. "Für unsere Daueraktionäre ist nur der Trend der langfristigen Bewegungen von Bedeutung. Hier können wir mit Genugtuung feststellen, daß die Börse durchaus in ihren Kursen unserer inneren Gesundung Rechnung getragen hat!" Es ist sicher, daß der Siemens-Kurs gegenwärtig keiner Kurspflege bedarf, und es ist auch nicht Aufgabe der Verwaltung, einer gewissen Spekulation dadurch Vorschub zu leisten, indem sie die einmal erreichten Höchstkurse "einzementiert". Aktien sind nun einmal Risikopapiere. Bei Siemens ist allerdings voneinem Risiko beim jetzigen Kurs Wenig zu spüren. K. W.