Wenn wir auf die einzelnen Punkte der Entgegnung Dr. Eimendorffs nur noch am Rande eingehen, so geschieht dies nicht aus Mangel an Argumenten, sondern weil uns das wie der Streit um des Kaisers Bart, mehr noch: um dessen einzelne Haare vorkäme. Es dürfte für die Beurteilung des Gesamtkomplexes z. B. belanglos sein, ob Dr. Elmendorf mehr oder minder gern die Gelegenheit benutzt hat, dem Berliner Abgeordnetenhaus Rede und Antwort zu stehen. Die von uns erwähnten Zusicherungen des Bundeswirtschaftsministeriums – übrigens auch anderer Stellen und Persönlichkeiten – haben nun einmal dazu geführt, daß eine theoretisch denkbare Entscheidung des Abwicklungsausschusses gegen Berlin jetzt keine Aussicht mehr auf Billigung der beteiligten Bundesstellen hätte. Insofern dürfte Herr Dr. Eimendorff durchaus unter dem inneren Zwang zur Bereinigung der Atmosphäre nach Berlin gekommen sein.

Wenn sich Herr Dr. Eimendorff jetzt gegen den Vorwurf mangelhafter Berlin-Freundlichkeit – jedenfalls, was die Ufa-Entflechtung anbetrifft – verwahrt, so ist dies ein Ton, den wir gern hören. Dieser Ton ist aber noch ziemlich neu, und wir vollen es dahingestellt sein lassen, ob er dem Herzen oder der Einsicht entspringt, daß der längst überfälligen Erfüllung des Liquidationsauftrages – deren Verzögerung gewiß nicht von Dr. Elmendorff beabsichtigt war – mit einer Frontstellung gegen Berlin jetzt keineswegs gedient ist. Jedenfalls ist Herr Dr. Eimendorff im Mai vorigen Jahres auf der Pressekonferenz in Berlin, die den erwähnten Verhandlungen folgte, der verschiedentlich geäußerten Ansicht, hier sollte offenbar sehr zuungunsten Berlins verfahren werden, keineswegs ebenso temperamentvoll und mit so guten Argumenten entgegengetreten wie jetzt. Im übrigen sind einige der inzwischen wirksamen Zusicherungen durchaus späteren Datums.

Die beiden vorletzten Punkte in Dr. Eimendorffs Antwort entbehren der Sachlichkeit: Wir haben weder behauptet, Dr. Eimendorff habe selbst Ende März als letzten Termin für den Verkauf der Berliner Anlagengesellschaft genannt, noch ist es uns auch nur im Traum eingefallen, die jetzigen Interessenten mit den "alten Stimmungsmachern gegen Berlin" gleichzusetzen. Diese Leute sind überhaupt nicht mehr im Geschäft, was aber nicht ausschließt, daß sie künftigen Käufern die Lust durch eine Darstellung etwa der Art zu verleiden versuchen: "Wenn du aus dem Berliner Komplex etwas Vernünftiges machen willst, brauchst du außer dem Kaufpreis noch ... zig Millionen, die wahrscheinlich anderswo lukrativer und mit geringerem Risiko angelegt wären." – Wir halten Herrn Dr. Elmendorff für einen zu erfahrenen Wirtschaftsfachmann, als daß er solche Typen im Ernst als böse Märchenfiguren ansieht.

Erfreulich an dieser Zuschrift erscheint uns die Selbstverständlichkeit, mit der die Liquidatoren einer etwaigen späteren Überprüfung ihrer Tätigkeit entgegensehen. Erfreulich wäre aber vor allem, wenn das Bekenntnis zu Berlin, das Dr. Elmendorff jetzt mehrfach so eindeutig ablegt, nunmehr unwandelbar bliebe, ganz gleich, aus welchen Motiven heraus. Denn um dieses Bekenntnis zur deutschen Hauptstadt, nicht um eine kleinliche Polemik gegen einzelne Gruppen oder Personen, ist es uns immer nur gegangen, sooft und solange wir uns mit der Ufa-Entflechtung beschäftigt haben. Wenn in dieser Zeit aus einem Saulus ein Paulus geworden sein sollte, so können wir das nur ehrlich begrüßen und hoffentlich als gutes Omen für den letzten Akt des Entflechtungsfilms werten. Georg Gnieser