In den letzten Jahren haben – in Ausnutzung steuerlicher Vorteile, die durch die Gesetzgebung eröffnet wurden – viele Unternehmen neue Beteiligungen erworben, bestehende ausgebaut. Dieser in Form der Kapitalverflechtung betriebene Konzentrationsprozeß verdient (aus mannigfachen Gründen) Interesse und Beachtung. Bezeichnend dafür ist, daß die Commerzbank-Gruppe unter dem Titel "Wer gehört zu wem?" eine Broschüre herausgebracht hat, die eine umfassende Darstellung der Beteiligungsverhältnisse bringt. Erfreulicherweise sind die Unternehmungen durchweg bereit, hierüber Auskunft zu geben. Mit zwei Ausnahmen freilich: die eine betrifft einen Großbetrieb der Nährmittelherstellung, der Jahr für Jahr erhebliche Summen in neue und sehr verschiedenartige Beteiligungen steckt und sich dabei offenbar nicht in die Karten sehen lassen möchte – die andere Ausnahme ist die GEG, die (in der Rechtsform einer GmbH betriebene) Großeinkaufsgesellschaft der Deutschen Konsumgenossenschaften. Von ihr weiß man, auch aus ihren eigenen Veröffentlichungen, daß sie eine Reihe von stattlichen Produktionsbetrieben besitzt, auf die sie mit Recht stolz ist, und außerdem verschiedene Kapitalbeteiligungen. Insbesondere hat sie an der Gründung der (regionalen) Gemeinwirtschaftsbanken durch ihre Kapitalhilfe mitgewirkt; in einigen Fällen sind diese Beteiligungen später, nachdem die betreffenden Banken wirtschaftlich erstarkt waren, in andere Hände übergeben worden.

Vergebens fragt man sich nun, warum die Leitung der GEG neuerdings ein "Geheimnis" aus diesen Vorgängen machen will und sich dabei so publizitätsscheu geriert, daß sie nicht nur jede Auskunft über ihre Beteiligungen ablehnt, sondern sogar den Versuch gemacht hat, im Wege einer einstweiligen Verfügung zu verhindern, daß Angaben hierüber in einer Gesamtdarstellung der Verflechtungsvorgänge (herausgebracht vom Verlag Hoppenstedt) erscheinen können. Erfreulicherweise hat das Landgericht zu Darmstadt dem Einspruch des Verlags gegen die Einstweilige Verfügung stattgegeben. In seiner Begründung sagt das Gericht u. a., es sei nicht einzusehen, warum eigentlich die Leitung der GEG glaube, daß "erwerbswirtschaft"bedingte Begriffe (wie Kapitalverflechtung, Beteiligung u. a.) für ihren als "Gemeinwirtschaft" zu charakterisierenden Bereich nicht anwendbar seien und hier als deplaciert ("herabsetzend") empfunden werden müßten... Das sei insbesondere deshalb nicht einleuchtend, weil ja die GEG-Leitung selber "nicht angeben konnte, welche (anderen) Ausdrücke bei ihrer angeblich arteigenen Organisation dafür anzuwenden seien".

Das ist nun allerdings ein durchschlagendes Argument. Wir haben den Eindruck, daß man sich diesmal bei der GEG ideologisch verrannt hat – vermutlich wäre desgleichen den Vorgängern des Herrn Meins im Hause am Besenbinderhof, Gustav Dahrendorf und Harry Everling, nicht passiert. Sollte aber diese Deutung des Motivs für die seltsame Publizitätsfeindlichkeit der GEG nicht zutreffend sein, so bleibt eigentlich nur noch die Vermutung, daß ein Teil der unter der GEG-Marke vertriebenen Waren nicht aus eigener Produktion, sondern aus Zukauf stammt, und daß man das nicht gern zugeben möchte. G. K.