Wiederbewaffnung: Eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einer 500 000-Mann-Bundeswehr legte der Bundestag mit der Verabschiedung der Wehrverfassung (den durch die Wiederbewaffnung notwendig gewordenen Verfassungsänderungen) und des Soldatengesetzes zurück, das die Rechte und Pflichten des Soldaten im Sinne des "Bürgers in Uniform" regeln soll. Die Wehrverfassung wurde mit 390 gegen 20 sozialdemokratische Stimmen angenommen. Das Soldatengesetz mit 221 Stimmen gegen sämtliche Stimmen der Sozialdemokraten. Ihre Zustimmung zu der Wehrverfassung begründeten die Sozialdemokraten damit, daß sie, wenn schon aufgerüstet werde, wenigstens für eine demokratische Verankerung der Streitkräfte im Staat sorgen wollten.

Zypern: England beschloß, die Zypernfrage mit Gewalt zu lösen. Es ließ Erzbischof Makarios verhaften und nach den Seychellen-Inseln im Indischen Ozean deportieren, Zyperns griechische Bevölkerung antwortete mit Generalstreik. Die Athener mit Demonstrationen, bei denen es über hundert Verletzte gab, die griechische Regierung mit Abberufung ihres Botschafters in London und einem Protest bei der UNO. Der englische Oppositionsführer Gaitskell nannte die Maßnahme der Regierung "einen Akt der Dummheit". Washington ist verstimmt, weil es von London nicht vorher informiert wurde. Paris hält mit Kritik zurück, weil es von London moralische Unterstützung seiner Maßnahmen in Algier erhofft.

Abrüstung und Wiedervereinigung: Adenauer und Ollenhauer machten sich Pineaus These: "Wiedervereinigung durch Abrüstung" zu eigen, jedoch mit dem Vorbehalt, daß es nicht bei der Abrüstung bleiben dürfe. Während Pineau zur Zeit keine sowjetische Konzessionsbereitschaft in der Deutschlandfrage sieht und die Welt zunächst einmal durch Abrüstung "entschärfen" möchte, sprachen Adenauer und Ollenhauer von "engen Zusammenhang" der beiden Fragen. Wie schön auf der zweiten Genfer Konferenz geht es also um die Frage, wer vorleisten soll: der Westen die Abrüstung oder der Osten die Wiedervereinigung.

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Mollet bei Eden: Abrüstung und wirtschaftliche Hilfe für unterentwickelte Länder bezeichnet Mollet als die wicht gsten Punkte des Programms, auf das er und Eden sich geeinigt hätten. Einen neuen Abrüstungsvorschlag wollen die drei Westmächte in den nächsten Tagen machen. Von einem "Junktim" der deutschen und der Abrüstungsfrage war in Mollets Bericht über seinen Besuch bei Eden ebensowenig die Rede wie von der kürzlichen Kritik Pineaus an der (nach Ansicht Pineaus) allzu starren und einseitig auf militärische Sicherheit eingestellten westlichen Außenpolitik.

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Hansen in Moskau: Die sowjefisch-dänischen Handelsverhandlungen, die vor einem halben Jahr an der Frage das dänischen Tankerbaues für die Sowjetunion scheiterten, profitierten von dem neuen Moskauer Frühlingswetter. Die Sowjets verzichteten auf die Tanker und gestalteten die Unterzeichnung eines neuen dänischsowjetischen Handelsvertrages durch Bulganin und den dänischen Ministerpräsidenten Hansen in Moskau zu einem "Freundschaftsfest".