In einem Punkt ist man an der sonst durchaus nicht so zaghaften Seine äußerst zurückhaltend: bei der Einfuhr-Liberalisierung. Hier scheint Paris keinen Pardon zu kennen. Denn nur mühsam, von Prozent zu Prozent klimmend, geht es voran, und das auch nicht mit freudigem Herzen. An diesem Bild ändert auch die Ankündigung des französischen Finanzministers Ramadier in der letzten OEEC-Ministerratssitzung in Paris, Frankreich werde weiter liberalisieren, wenig.

Um wieviel Punkte die Ausweitung erfolgt und wann dieser Entschluß wirksam wird, das wollte Ramadier nämlich nicht sagen. Wenn es die eigentlich schon längst fällige 90prozentige Liberalisierung gewesen wäre: der Minister hätte es bestimmt freudig verkündigt. So wird man sich erneut mit nur wenigen Prozenten abfinden müssen, vobei ja immer wieder die Importtaxe wie ein Damoklesschwert über allen französischen Schritten auf dem "Weg zur Befreiung der Einfuhr" steht. Man spricht von Schutzbedürftigkeit der Industrie infolge der hohen Steuer- und Soziallasten; auch dieses Schlagwort mußte für Ramadier erneut bei der OEEC-Tagung herhalten.

Zwar hat der Minister durchblicken lassen, daß der Abbau der Importtaxe "nach Möglichkeit" verwirklicht werden soll, aber auch hier hüllte er sich in Schweigen. Und wenn wirklich an der Importtaxe erneut gerüttelt wird, dann ist das ausschließlich auf die Proteste des Auslandes zurückzuführen. So haben Finnland, Kanada und Belgien ziemlich massiv auf diese Einfuhrbehinderungs-Maßnahme hingewiesen. Die Wetten, wann Frankreich in puncto Liberalisierung nun endlich mit den anderen OEEC-Partnern gleichzieht, gehen weiter. Und nach den bisherigen Erfahrungen dürften sie noch recht lange laufen... W. S.